| Woche | Schwerpunkt |
|---|---|
| 1 | Beobachten & Ankommen — INGRA lernt Klasse, Kind und Sie kennen. Wenig Erwartungen, viel Spielraum. |
| 2 | Erstes Feedback-Gespräch — Was fällt der INGRA auf? Was beobachten Sie? Erste Absprachen konkretisieren. |
| 3-4 | Routinen festigen, Rollen schärfen, Stolpersteine gemeinsam besprechen. |
| Stufe | Schritt |
|---|---|
| 1 | Selbstreflexion — Liegt es an mir? An der Situation? An echten Rollenüberschreitungen? |
| 2 | Direktes Gespräch — Konkret, sachlich, ohne Vorwürfe. „Ich beobachte, dass …" |
| 3 | Schulleitung oder Teamkoordination einbeziehen — nicht als Eskalation, sondern als Klärungshilfe |
| Förderschwerpunkt | Was es bedeutet |
|---|---|
| ADHS | Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität — kein böser Wille, Selbststeuerung neurobiologisch erschwert |
| Autismus-Spektrum | Kommunikation und sensorische Verarbeitung anders. Routinen und Vorhersehbarkeit sind Sicherheit |
| ESE | Starke Gefühle, schwache Regulierung — oft Trauma-Hintergrund, Beziehung vor Leistung |
| Förderschwerpunkt Lernen | Kognitive Verarbeitung verlangsamt — Kleinschrittigkeit und Erfolgserlebnisse helfen |
| Körper & Motorik | Körperliche Einschränkungen, Hilfsmittel — INGRA kennt den Umgang, lassen Sie sich einweisen |
| Sprache | Sprachverständnis/-produktion eingeschränkt — einfache, klare Sprache hilft allen |
| Schritt | Was passiert |
|---|---|
| 1 | Eltern beantragen beim Jugendamt (SGB VIII §35a) oder Sozialamt (SGB IX). Sie sind daran nicht beteiligt. |
| 2 | Kostenträger bewilligt Stunden und erstellt Hilfeplan. Stundenzahl, Verlängerung — alles beim Kostenträger. |
| 3 | Träger stellt INGRA ein und entsendet sie in die Schule. INGRA ist Mitarbeiterin des Trägers — nicht von Ihnen weisungsgebunden. |
| 4 | Schule/Lehrkraft kooperiert pädagogisch — ohne Arbeitgeberrolle. Sie können Absprachen einfordern, aber keine Anweisungen erteilen. |
Lehrkräfte verbringen täglich Zeit mit Kindern — und sehen Signale, die andere nicht sehen. Sie müssen keine Diagnose stellen. Sie müssen wahrnehmen, dokumentieren und weitergeben.
Trauma ist eine überwältigende Erfahrung, die das Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft versetzt — auch wenn die Gefahr längst vorbei ist. Das Kind reagiert nicht auf die Gegenwart, sondern auf eine gespeicherte Bedrohung.
DAZ-Prinzipien helfen nicht nur Kindern mit Migrationsgeschichte — sie helfen auch Kindern mit ADHS, Verarbeitungsschwäche, Trauma und Förderschwerpunkt Lernen. Gute DAZ-Sprache ist guter Unterricht.
| Was Sie wahrnehmen | Was es bedeuten kann |
|---|---|
| Eltern kommen nicht zu Terminen | Schicht, Sprache, kein Vertrauen |
| Schweigen im Gespräch | Respekt, Unsicherheit, Angst |
| Keine Hausaufgaben-Hilfe | Eigene Sprachbarriere |
| Ablehnung von Förderangeboten | Scham, Tabu, Unkenntnis |
| Vater spricht, Mutter schweigt | Kulturelle Rollenverteilung |
kLAR ist die verbindliche Gesprächsstruktur, die INGRA bei Gelb und Orange einsetzt — also bevor eine Situation zur echten Krise wird. Vier Schritte, immer in dieser Reihenfolge. Wenn Sie wissen, was die Buchstaben bedeuten, verstehen Sie sofort, was INGRA gerade tut.
| Buchstabe | Bedeutung |
|---|---|
| k | Kontakt & Körperliche Sicherheit — Augenhöhe, ruhige Stimme, Sicherheit zuerst |
| L | Leise & Langsam — Stimme senken, Tempo herausnehmen |
| A | Anerkennung & Atmen — „Ich sehe, dass das schwer ist", gemeinsam atmen |
| R | Reizreduktion & Rückzug — Reize reduzieren, Raum geben |
Wie Lehrkraft und INGRA zusammenarbeiten — klare Rollen, konkrete Handlungsempfehlungen, gemeinsame Sprache.
Lehrkraft und INGRA ergänzen sich — sie konkurrieren nicht. Je klarer die Rollen, desto besser geht es dem Kind. Unklarheiten in der Rollenverteilung belasten alle Beteiligten und schaden der Qualität der Begleitung.
| Aufgabe | Lehrkraft | INGRA |
|---|---|---|
| Unterrichten, Lehrplan | Lehrkraft | — |
| Begleitung des Kindes im Alltag | — | INGRA |
| Notengebung, Beurteilung | Lehrkraft | — |
| Barometer-Check & Regulation | — | INGRA |
| Klassenführung, Disziplin | Lehrkraft | — |
| Dokumentation der Begleitung | — | INGRA |
| Elterngespräche führen | Lehrkraft | Beobachtungen liefern |
| Krisenintervention planen | gemeinsam | gemeinsam |
| Feedback geben & empfangen | gemeinsam | gemeinsam |
Das Barometer ist das zentrale Kommunikationswerkzeug zwischen Kind und Begleitung. Es zeigt den aktuellen Nervensystemzustand — nicht die Stimmung, sondern den Regulationsstatus. Das ist wichtig: Barometer Orange bedeutet nicht "schlechte Laune", sondern "Regulation nötig, Lernen gerade schwer möglich".
| Farbe | Lehrkraft | INGRA |
|---|---|---|
| Normal weiter, kein besonderer Eingriff nötig | Beobachtet, begleitet im Hintergrund | |
| Aufmerksamkeit erhöhen, ggf. Aufgabe vereinfachen | Näher beim Kind, kurze Regulationstools | |
| Anforderungen reduzieren, kein Druck, Raum geben | Übernimmt Begleitung, kLAR einleiten | |
| Andere Kinder schützen, Raum freimachen | Feuerwehr-Protokoll, TK informieren | |
| Keine Anforderungen, stilles Dasein ermöglichen | Stille Präsenz, kein Gespräch, kein Druck |
kLAR ist das Deeskalationsmodell des KLARTEXT-Systems. Es wird von INGRA angewendet — nicht von der Lehrkraft. Das ist keine Hierarchie, sondern Rollenklarheit: INGRA ist für die Regulation des Kindes ausgebildet und zuständig. Die Lehrkraft hält in dieser Zeit den Unterricht aufrecht.
Es braucht ein klares, diskret vereinbartes Signal das Lehrkraft und INGRA kennen. Kein langes Erklären vor der Klasse — eine Geste, ein Blick, ein Wort reicht.
In Krisensituationen ist Rollenklarheit lebensnotwendig. Wenn beide gleichzeitig eingreifen, entsteht Chaos. Die Regel ist einfach: INGRA übernimmt das Kind — Lehrkraft übernimmt die Klasse.
| Aufgabe | Zuständig |
|---|---|
| Das Kind in der Krise begleiten | INGRA |
| Andere Kinder schützen & beruhigen | Lehrkraft |
| Raum freimachen wenn nötig | Lehrkraft |
| TK informieren | INGRA |
| Eltern informieren | Lehrkraft oder TK |
| Notruf 112 wenn nötig | Wer greifbarer ist |
| Dokumentation der Krise | INGRA |
| Nachbesprechung | gemeinsam |
Nach einer Krise brauchen alle Beteiligten etwas: das Kind Sicherheit, die Klasse Normalität, INGRA und die Lehrkraft Reflexion. Eine kurze Nachbesprechung — 5 Minuten — verhindert dass sich Muster einschleifen.
Elterngespräche mit Schulbegleitungsthemen sind komplexer als reguläre Elterngespräche. Klare Rollenteilung schützt alle — und verhindert Widersprüche die Eltern verunsichern.
| Inhalt | Lehrkraft | INGRA |
|---|---|---|
| Schulische Leistung, Noten | Lehrkraft | — |
| Soziales Verhalten in der Klasse | Lehrkraft | Ergänzt auf Nachfrage |
| Beobachtungen aus der Begleitung | — | INGRA |
| Barometer, kLAR, eingesetzte Werkzeuge | — | INGRA |
| Krisenberichte | gemeinsam | gemeinsam |
| Empfehlungen zur Förderung | Lehrkraft | Informiert TK |
| Hilfeplan-Themen | — | Über TK |
Manchmal kommen Eltern aufgewühlt, defensiv oder fordernd. Das ist meist kein Angriff auf Sie — sondern Ausdruck von Sorge um ihr Kind. Professionelle Reaktion schützt alle.