A
ADHS Krankheitsbild
Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitĂ€tsstörung. Neurobiologisch bedingte Entwicklungsstörung mit den Kernsymptomen Unaufmerksamkeit, ImpulsivitĂ€t und (bei hyperaktivem Typ) motorische ĂberaktivitĂ€t. Im Schulalltag zeigt sich ADHS oft als Kann gerade nicht anders â nicht als Unwilligkeit. Das Gehirn hat Schwierigkeiten mit Exekutivfunktionen: planen, beginnen, durchhalten, stoppen. Kinder mit ADHS brauchen Struktur, kurze Phasen, Bewegungspausen und klare Signale.
Döpfner et al. (2019). ADHS. Hogrefe. · APA (2013). DSM-5.
KrankheitsbildNeurodivergenzKinder
â M2-08 ADHS
Aktives Zuhören
Kommunikationsform bei der die zuhörende Person nicht nur hört, sondern das Gehörte spiegelt, zusammenfasst und nachfragt. Ziel ist echtes Verstehen statt Antworten-Vorbereiten. âIch höre, dass du dich ĂŒbergangen fĂŒhlst â stimmt das?" Im Schulalltag: Kinder fĂŒhlen sich gesehen wenn INGRA aktiv zuhört statt sofort zu lösen.
Gordon, T. (1970). Parent Effectiveness Training.
KommunikationBeziehung
Allparteilichkeit
Professionelle Haltung bei der alle Perspektiven â Kind, Eltern, Lehrkraft â ernst genommen werden, ohne eine Seite zu bevorzugen. Allparteilich sein bedeutet nicht: keine Meinung haben, sondern: die eigene Meinung im richtigen Rahmen halten. INGRA beobachtet und dokumentiert â urteilt nicht öffentlich.
HaltungProfessionalitÀt
â M8-07 NeutralitĂ€t
Amygdala
Mandelförmige Gehirnstruktur im limbischen System, zustĂ€ndig fĂŒr die Bewertung emotionaler Reize â besonders Bedrohungen. Die Amygdala löst innerhalb von Millisekunden Stressreaktionen aus, bevor der Kortex (rationales Denken) die Situation analysiert hat. Im Alarm-Modus ĂŒbernimmt die Amygdala â das Kind kann nicht mehr vernĂŒnftig denken.
LeDoux, J. (1996). The Emotional Brain.
NeurobiologieStressAlarm
Asynchrone Entwicklung
UngleichmĂ€Ăige Entwicklung einzelner FĂ€higkeitsbereiche â typisch bei Hochbegabung. Ein Kind kann kognitiv mehrere Jahre voraus sein, aber sozial-emotional oder motorisch altersgemÀà bleiben. Diese Kluft wird oft missverstanden als trotzig oder ĂŒberfordert, obwohl das Kind schlicht ungleich entwickelt ist. INGRA achtet auf diese Diskrepanz statt nur auf das kognitive Alter zu schauen.
Heller, K. A. (Hrsg.) (2000). Lehrbuch Begabungsdiagnostik.
BegabungEntwicklung
â Systemkapitel Hochbegabung
Autismus-Spektrum-Störung (ASS) Krankheitsbild
Neurobiologisch bedingte Entwicklungsbesonderheit mit dem Kern: Anderer Wahrnehmungsstil â nicht weniger. Betroffene verarbeiten sensorische Reize, soziale Signale und Sprache anders. StĂ€rken: Detailwahrnehmung, Systematik, ZuverlĂ€ssigkeit in Routinen. Herausforderungen: sensorische Ăberreizung, implizite Sozialregeln, ĂbergĂ€nge, Ironie. Ironie und Humor werden hĂ€ufig wörtlich gelesen.
Milton, D.E.M. (2012). Disability & Society. · APA (2013). DSM-5.
KrankheitsbildNeurodivergenz
â M2-09 Autismus
B
Barometer KLARTEXT-System
Zentrales Regulationsinstrument des KLARTEXT-Systems. Das Barometer macht den inneren Zustand sichtbar â ohne Worte. FĂŒnf Farben: GrĂŒn (alles gut), Gelb (leicht angespannt), Orange (deutlich angespannt, Werkzeuge nötig), Rot (Krise, Feuerwehr), Grau (erschöpft, leer, kaum erreichbar). INGRA liest das Barometer und passt die Begleitung an â nicht umgekehrt.
KLARTEXTRegulationEmotion
â M3-01 Barometer
Brainy KLARTEXT-System
Maskottchen und pĂ€dagogisches ErklĂ€rmodell des KLARTEXT-Systems. Brainy ist ein meditierendes Gehirn mit Herz â und erklĂ€rt Kindern warum das Gehirn manchmal nicht mehr denken kann: âBrainy sitzt gerade im Keller. Der Aufzug kommt wieder â wenn der Körper sicher ist." Brainy erscheint auf jeder KLARTEXT-Karte und am Ende jeder Lerneinheit.
KLARTEXTPĂ€dagogikMetapher
Bindungsstörung Krankheitsbild
Entsteht wenn frĂŒhe Bezugspersonen unzuverlĂ€ssig, absent oder verletzend waren. Das Kind lernt: NĂ€he bringt Schmerz. Zwei Hauptformen: Gehemmt (RĂŒckzug, NĂ€he ablehnen, niemandem vertrauen) und Enthemmt (wahllose NĂ€he, keine gesunde Vorsicht, Grenzen nicht vorhanden). Beziehungsaufbau dauert sehr lang â RĂŒckschritte sind normal.
Bowlby (1969). · Ainsworth et al. (1978).
KrankheitsbildBindungTrauma
â M2-30 Bindungsstörungen
Bindungstrauma
Entsteht, wenn Kinder keine sichere Bezugsperson hatten, Gewalt oder VernachlĂ€ssigung erlebt haben oder hĂ€ufige BeziehungsabbrĂŒche durchgemacht haben. Im Schulalltag zeigt es sich als extreme NĂ€he oder Distanz, Kontrollverhalten, WutausbrĂŒche und LĂŒgen aus Angst â alles Ăberlebensstrategien, kein Trotz.
TraumaBindungPflegekinder
â M2-31 Bindungstrauma & Pflegekinder
Burnout
Zustand chronischer Erschöpfung durch anhaltende ArbeitsĂŒberlastung â besonders in helfenden Berufen. Drei Kerndimensionen nach Maslach: emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung (innere Distanz zu Klienten), reduziertes LeistungsgefĂŒhl. Burnout entsteht schleichend â FrĂŒhwarnzeichen sind Stresssignale (â Barometer). PrĂ€vention durch aktive SelbstfĂŒrsorge, Supervision und Grenzen.
Maslach & Leiter (2003). Burnout. Jossey-Bass.
SelbstfĂŒrsorgeHelfende Berufe
â M8-01 SelbstfĂŒrsorge
C
Co-Regulation
Prozess bei dem eine regulierte Person (INGRA) hilft, eine dysregulierte Person (Kind) zur Ruhe zu bringen â durch ruhige Stimme, offene Körperhaltung, gleichmĂ€Ăiges Atmen. Das Nervensystem des Kindes synchronisiert sich mit dem der Bezugsperson. Co-Regulation ist die Grundlage jeder Deeskalation und der Vorstufe zur Selbstregulation.
Porges, S.W. (2011). The Polyvagal Theory.
NeurobiologieRegulationBeziehung
Compassion Fatigue
Spezifische Erschöpfungsform in helfenden Berufen durch anhaltende Empathie fĂŒr leidende Menschen. Auch als MitgefĂŒhlserschöpfung oder sekundĂ€re Traumatisierung bezeichnet. Typische Zeichen: emotionale Taubheit, Zynismus, RĂŒckzug, Schlafstörungen. Unterschied zu Burnout: entsteht durch das Was der Arbeit, nicht nur durch das Wie viel.
Figley, C.R. (1995). Compassion Fatigue.
SelbstfĂŒrsorgeSekundĂ€rtrauma
Cochlea-Implantat (CI) Hilfsmittel
Operative Hörprothese, die elektrische Signale direkt an den Hörnerv sendet und so Klangerfahrungen ermöglicht. Ein CI ist kein normales Hören â Sprache klingt anders, HintergrundgerĂ€usche sind schwerer filterbar. Kinder mit CI brauchen weiterhin spezifische UnterstĂŒtzung. Wichtig fĂŒr INGRA: Das CI nie berĂŒhren, nicht in Wasser bringen, bei Ausfall ruhig bleiben und schriftlich kommunizieren.
HilfsmittelHörbehinderung
Cybermobbing
Mobbing ĂŒber digitale KanĂ€le (Messenger, soziale Netzwerke, Gaming). Besonderheiten gegenĂŒber klassischem Mobbing: kein RĂŒckzugsraum (24/7 erreichbar), schnelle Verbreitung durch Weiterleitungen, AnonymitĂ€t der TĂ€ter, Schwierigkeit Beweise zu sichern. Strafrechtlich relevant (§§ 185, 187, 241 StGB). INGRA sichert Beweise, informiert TK â ermittelt nicht selbst.
BMBF (2022). Cybermobbing â Ursachen, AusmaĂ und Folgen.
MobbingDigitalRecht
â M6-03 Cybermobbing
D
Datenschutz / DSGVO
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO, 2018) regelt den Umgang mit personenbezogenen Daten in der EU. Im Schulbegleitungskontext: Alle Dokumente ĂŒber ein Kind sind sensibel. Keine privaten GerĂ€te zur Datenspeicherung, keine Namen in ungesicherten Nachrichten, Einwilligungen dokumentieren. Im Zweifel: TK fragen.
RechtDatenschutzDokumentation
â M5-10 Datenschutz
Deeskalation
Gezielte MaĂnahmen zur Reduzierung von Spannung, Erregung oder Konfliktpotenzial â bevor eine Situation eskaliert. Im KLARTEXT-System: kLAR ab Barometer Orange. Deeskalation beginnt mit der eigenen Regulation: Wer selbst angespannt ist, kann nicht deeskalieren. Grundprinzip: Erst beruhigen, dann reden.
PĂ€dagogikNeurobiologieKrise
â M4-06 Deeskalierende Sprache
DGS â Deutsche GebĂ€rdensprache Sprache
EigenstĂ€ndige visuelle Sprache mit eigener Grammatik, eigenem Satzbau und regionalen Dialekten. DGS ist nicht Deutsch mit HĂ€nden â sie ist eine vollwertige Sprache mit eigener Struktur. FĂŒr viele gehörlose Menschen ist DGS die Muttersprache, Deutsch die Fremdsprache. INGRA muss keine DGS können, aber: Respekt zeigen, nie die GebĂ€rden imitieren, Dolmetscher direkt ansprechen wenn vorhanden.
SpracheHörbehinderungInklusion
Du-Botschaft
Kommunikationsform die das Verhalten oder die Person des GegenĂŒbers bewertet. âDu hörst nie zu." / âDu machst das immer falsch." Du-Botschaften erzeugen Abwehr und Rechtfertigung. Im Schulalltag: lösen bei Kindern hĂ€ufig Scham oder Trotz aus statt Kooperation. Alternative: Ich-Botschaft.
Gordon, T. (1970). Parent Effectiveness Training.
KommunikationKonflikt
â M4-02 Ich-Botschaften
Dysregulation
Zustand in dem das Nervensystem aus dem Gleichgewicht geraten ist â das Kind kann Emotionen, Impulse oder Reaktionen nicht mehr steuern. Dysregulation ist keine Entscheidung des Kindes. Sie ist der Ausgangszustand fĂŒr Stressreaktionen (Fight, Flight, Freeze, Fawn). Erste Aufgabe bei Dysregulation: Co-Regulation durch INGRA, nicht PĂ€dagogik.
NeurobiologieRegulationKrise
E
Eingliederungshilfe
Leistung nach SGB IX (ab 2020), vorher SGB XII. Ermöglicht Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben â dazu gehört die Schulbegleitung. Die Eingliederungshilfe wird beim zustĂ€ndigen KostentrĂ€ger (Jugendamt oder Sozialamt) beantragt. INGRA ist im Rahmen der Eingliederungshilfe tĂ€tig und auf den Hilfeplan bezogen.
SGB IX § 90 ff. · Wiesner (2022).
RechtSGB IXSchulbegleitung
Epilepsie Krankheitsbild
Neurologische Erkrankung mit wiederholt auftretenden epileptischen AnfĂ€llen durch unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn. Zwei Hauptformen im Schulalltag: GroĂer Anfall (tonisch-klonisch: Sturz, Verkrampfung, Zucken) und Absence (kurzes Einfrieren, leerer Blick). INGRA kennt den Notfallplan, bleibt ruhig, misst Zeit â Notruf ab 5 Minuten.
KrankheitsbildMedizinNotfall
â M2-26 Epilepsie
Eskalation
Stufenweise Zunahme von Spannung, LautstĂ€rke oder aggressivem Verhalten â oft entlang der Barometer-Farben (Gelb â Orange â Rot). Eskalation kann verhindert werden wenn INGRA frĂŒh â auf Gelb oder Orange â interveniert. Bei rotem Barometer: keine PĂ€dagogik, Feuerwehrkarten, Sicherheit zuerst.
KrisePĂ€dagogik
â M7-17 Eskalation
Essstörung (im Schulkontext) Krankheitsbild
Komplexe psychische Erkrankung â keine Phase, kein Trotz. INGRA stellt keine Diagnosen, erkennt aber Muster: eingeschrĂ€nkte Nahrungsaufnahme, Essrituale, RĂŒckzug in Pausen, Kreislaufprobleme, Perfektionismus. INGRA beobachtet, dokumentiert sachlich und gibt an LK und TK weiter. Essen nie kommentieren oder kontrollieren.
KrankheitsbildErnÀhrungSchule
â M2-34 Essstörungen
F
FASD Krankheitsbild
Fetal Alcohol Spectrum Disorder â SchĂ€digungen durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. FASD ist nicht heilbar aber gut begleitbar. Kernsymptome: eingeschrĂ€nkte Impulskontrolle, Schwierigkeiten mit Ursache-Wirkungs-Denken, GedĂ€chtnislĂŒcken, Sozialverhalten. Kinder mit FASD lernen nicht durch Konsequenzen wie andere Kinder â Struktur und Routine sind entscheidend.
Streissguth et al. (2004). CDC.
KrankheitsbildNeurobiologie
â M2-24 FASD
Fawn
Vierter Stressmodus (neben Fight, Flight, Freeze): Anpassen, um Gefahr zu vermeiden. Das Kind stimmt allem zu, wird kleiner, hat kaum eigene WĂŒnsche. Fawn ist eine Schutzstrategie â besonders hĂ€ufig bei Kindern mit Trauma- oder Bindungshintergrund. Im Schulalltag: Kind wirkt kooperativ und unauffĂ€llig â wĂ€hrend es innen komplett ĂŒberwĂ€ltigt ist.
Walker, P. (2013). Complex PTSD.
NeurobiologieStressmodiTrauma
â M2-04 Stressmodi
Feuerwehrkarte KLARTEXT-System
Spezialkarten fĂŒr akute Krisensituationen (Barometer Rot). Sieben Feuerwehrkarten fĂŒr: Eskalation, Shutdown, Panikattacke, FremdgefĂ€hrdung, Selbstverletzung, Weglaufen, Dissoziation. Jede Karte gibt klare Handlungsschritte â kein Nachdenken nötig. Erster Grundsatz: Sicherheit herstellen, dann TK informieren, dann dokumentieren.
KLARTEXTKriseAkut
â FK-01 Akute Eskalation
Fight (KĂ€mpfen)
Erster Stressmodus: Das Nervensystem mobilisiert maximale Energie fĂŒr den Angriff. Im Schulalltag: schlagen, treten, schreien, Dinge werfen, provozieren. Fight ist eine biologische Schutzreaktion â keine Entscheidung. INGRA reagiert mit: ruhig bleiben, Grenzen halten, nicht eskalieren, andere in Sicherheit bringen.
Porges, S.W. (2011). Polyvagaltheorie.
NeurobiologieStressmodi
Flashback
UnwillkĂŒrliches Wiedererleben vergangener traumatischer Erfahrungen â als ob sie gerade jetzt passieren. Ausgelöst durch Trigger (Reize die an das Trauma erinnern). Das Kind ist im Flashback nicht in der Gegenwart. Reaktionen wie bei Barometer Rot oder Grau. INGRA reagiert mit Sicherheit, Orientierung, ruhiger Stimme: âDu bist hier, du bist sicher."
van der Kolk, B.A. (2014). The Body Keeps the Score.
TraumaNeurobiologie
Flight (Fliehen)
Zweiter Stressmodus: Das Nervensystem mobilisiert Energie fĂŒr Flucht. Im Schulalltag: Raum verlassen, weglaufen, sich entziehen, vermeiden. Flight ist eine biologische Schutzreaktion. INGRA reagiert mit: sicheren RĂŒckzugsort anbieten, nicht festhalten, TĂŒr offen lassen, Sicherheit signalisieren.
NeurobiologieStressmodi
FM-Anlage Hilfsmittel
Drahtloses Ăbertragungssystem: Die Lehrperson oder INGRA spricht in ein Mikrofon, das Signal wird direkt ans HörgerĂ€t des Kindes ĂŒbertragen â ohne Umweg ĂŒber den Raum. Das reduziert HintergrundgerĂ€usche erheblich. INGRA prĂŒft: Ist die FM-Anlage vorhanden? Funktioniert sie? Wer ist fĂŒr die Batterien zustĂ€ndig?
HilfsmittelHörbehinderung
Freeze (Einfrieren)
Dritter Stressmodus: Das Nervensystem schaltet auf Totstellreflex â keine Reaktion, starrer Blick, Körper wie eingefroren. HĂ€ufig bei Kindern mit Trauma-Hintergrund. Freeze wirkt von auĂen wie GleichgĂŒltigkeit oder Sturheit â ist aber maximaler Stress. INGRA reagiert mit: sanft nĂ€hern, keine Forderungen, einfach da sein, keine Fragen.
Porges (2011). Levine (2010).
NeurobiologieStressmodiTrauma
Förderplan
Verbindliches Dokument das Förderziele, MaĂnahmen und ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr ein Kind mit besonderem Förderbedarf festlegt. INGRA arbeitet auf Grundlage des Förderplans â erstellt ihn nicht. Wichtig: Alltagsbeobachtungen von INGRA flieĂen in die Weiterentwicklung des Förderplans ein. Bei Unpassendem: TK informieren.
RechtDokumentationSchulbegleitung
â M5-07 FörderplĂ€ne
H
Hilfeplan
Rechtlich verbindliches Planungsinstrument nach § 36 SGB VIII. Wird gemeinsam mit dem Kind, den Eltern und dem KostentrĂ€ger erstellt. EnthĂ€lt: Ausgangssituation, Ziele, MaĂnahmen, ĂberprĂŒfungszeitpunkte. Der Hilfeplan ist die Grundlage fĂŒr die Schulbegleitungsleistung. INGRA orientiert sich am Hilfeplan und meldet Beobachtungen zur Weiterentwicklung an TK.
SGB VIII § 36.
RechtSGB VIIISchulbegleitung
Hochbegabung Begabung
Ăberdurchschnittliche intellektuelle, kreative oder sozial-affektive Begabung (i. d. R. IQ â„ 130 oder Top 10 % in einem Talentbereich). Zeigt sich nicht automatisch in guten Noten â viele hochbegabte Kinder fallen eher durch Langeweile, Widerstand oder scheinbare Unterforderung auf (â Underachievement). HĂ€ufig begleitet von asynchroner Entwicklung: kognitiv weit voraus, sozial-emotional altersgemÀà oder sogar verzögert. FĂŒr INGRA wichtig: Hochbegabung ist kein âLuxusproblem" â sie kann genauso zu Krisensignalen fĂŒhren wie andere Besonderheiten.
Renzulli (1978). · Mönks & Ypenburg (2005).
BegabungNeurodivergenz
â Systemkapitel Hochbegabung
Hochkonflikt-Eltern
Eltern, die im Kontext der Schulbegleitung kontrollierend, aggressiv, manipulativ oder ĂŒberfreundlich (vereinnahmend) auftreten. Nicht âböse" â sondern ĂŒberlastet, misstrauisch oder emotional instabil. INGRA schĂŒtzt sich durch professionelle Distanz: keine private Nummer, kein WhatsApp, kein Rechtfertigen, kein Partei ergreifen. Alle VorfĂ€lle sofort an TK melden.
ElternAbgrenzungProfessionalitÀt
â M2-33 Hochkonflikt-Eltern
Hörerschöpfung Belastung
Tiefe ErmĂŒdung durch anhaltende Hörkonzentration. Kinder mit Hörbehinderung mĂŒssen aktiv âzusammensetzen", was sie hören â das kostet ein Vielfaches der Energie, die hörende Kinder aufwenden. Hörerschöpfung zeigt sich als Konzentrationsverlust, Gereiztheit, RĂŒckzug â nicht als Unwilligkeit. RegelmĂ€Ăige Pausen sind Pflicht, keine Option.
HörbehinderungBelastung
K
KindeswohlgefÀhrdung Rechtsbegriff
Situation, in der das physische, psychische oder sexuelle Wohl eines Kindes ernsthaft bedroht ist. Löst den Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII aus. FĂŒr INGRA: Wahrnehmen, dokumentieren, an TK melden â nicht selbst ermitteln oder einschĂ€tzen. Die TK entscheidet ĂŒber weitere Schritte gemeinsam mit der Fachkraft fĂŒr Kinderschutz.
RechtKinderschutz§ 8a SGB VIII
kLAR-Modell KLARTEXT-System
Viertstufiges Deeskalationsmodell des KLARTEXT-Systems. Immer in dieser Reihenfolge â k kommt zuerst:
k â Kontakt & Körperliche Sicherheit: Sicheren Abstand herstellen, ruhige offene Haltung, Augenkontakt anbieten â ohne Worte.
L â Leise & Langsam: Stimme senken, Sprechtempo reduzieren, lange Pausen.
A â Anerkennung & Atmen: Zustand benennen ohne zu bewerten. Gemeinsam ruhiger werden.
R â Reizreduktion & RĂŒckzug: Reize wegnehmen, ruhigen RĂŒckzugsort anbieten.
Greift ab Barometer Orange.
KLARTEXTDeeskalationKrise
â M0-00 Systemelemente
P
Parasympathikus
Teil des vegetativen Nervensystems â zustĂ€ndig fĂŒr Entspannung, Regeneration und soziales Engagement. âRest and digest". Gegenspieler des Sympathikus. Im Entspannungszustand (Barometer GrĂŒn) ist der Parasympathikus dominant: Herzrate sinkt, Atmung vertieft sich, Gehirn kann lernen und denken. Bewusstes Atmen (besonders die Ausatmung) aktiviert den Parasympathikus.
Porges, S.W. (2011). The Polyvagal Theory.
NeurobiologieRegulation
Pflegekind / Pflegekinder
Kinder, die in Pflegefamilien oder Heimen leben und oft in einem System aus 10â20 Erwachsenen (Herkunftsfamilie, Pflegefamilie, Jugendamt, Vormund, Schule, Therapeut:innen, TrĂ€ger, INGRA) aufwachsen. INGRA ist hĂ€ufig die stabilste Bezugsperson im Schulalltag. Pflegekinder tragen BindungsabbrĂŒche, LoyalitĂ€tskonflikte und VerlustĂ€ngste â und sind ĂŒberlebensklug.
PflegekinderJugendhilfeBindung
â M2-32 Pflegekinder
Polyvagaltheorie
Neurobiologische Theorie von Stephen Porges (1994/2011) ĂŒber die Rolle des Vagusnervs bei sozialen Verhaltensweisen, Emotionen und Stressreaktionen. ErklĂ€rt warum das Nervensystem zwischen drei ZustĂ€nden wechselt: soziales Engagement (Parasympathikus), Mobilisierung (Sympathikus: Fight/Flight) und Immobilisierung (dorsaler Vagus: Freeze). Grundlage fĂŒr das VerstĂ€ndnis von Co-Regulation und Deeskalation.
Porges, S.W. (1994/2011).
NeurobiologieGrundlagentheorie
S
Schulbegleitung / INGRA
PĂ€dagogische Fachkraft die Kinder mit besonderem Förderbedarf im Schulalltag begleitet â als MaĂnahme der Eingliederungshilfe (SGB IX). Schulbegleitung ist keine Lehrkraft, kein Therapeut, kein Elternersatz. Sie begleitet, dokumentiert, schĂŒtzt und kooperiert â im Rahmen des Hilfeplans und der Teamkoordination.
Dworschak, W. (2012). Klinkhardt.
SchulbegleitungRechtRolle
Schweigepflicht
Rechtliche und berufsethische Pflicht zum Schutz personenbezogener Daten. INGRA unterliegt als Fachkraft der Schweigepflicht gegenĂŒber unbeteiligten Dritten. Weitergabe von Informationen ĂŒber ein Kind nur: an beteiligte FachkrĂ€fte im Rahmen der Hilfeleistung, mit Einwilligung der Eltern, oder bei akuter KindeswohlgefĂ€hrdung (§ 8a SGB VIII). Im Zweifel: TK fragen.
RechtDatenschutz
Schwerhörigkeit Sinnesbehinderung
EingeschrĂ€nktes Hörvermögen, das mit HörgerĂ€ten teilweise kompensiert werden kann â von leicht bis hochgradig. LĂ€rm, HintergrundgerĂ€usche und Distanz erschweren das Sprachverstehen erheblich. Wichtig: HörgerĂ€te verstĂ€rken alles â auch StĂŒhlerĂŒcken und LĂ€rm. Ruhige Umgebungen und FM-Anlage helfen enorm.
SinnesbehinderungHörbehinderung
Sehbehinderung Sinnesbehinderung
Stark eingeschrĂ€nkte SehschĂ€rfe, die durch Hilfsmittel nicht vollstĂ€ndig korrigierbar ist. Viele Kinder mit Sehbehinderung sehen mehr als erwartet â nie unterschĂ€tzen, nie ĂŒberschĂ€tzen. Seherschöpfung, Lichtempfindlichkeit und eingeschrĂ€nkte rĂ€umliche Orientierung sind typisch. INGRA: RĂ€umlich beschreiben statt zeigen, GegenstĂ€nde immer zurĂŒcklegen, ankĂŒndigen bevor man den Raum betritt.
SinnesbehinderungSehbehinderung
Seherschöpfung Belastung
Tiefe ErmĂŒdung nach intensiver Seharbeit. Kinder mit Sehbehinderung mĂŒssen aktiv kompensieren, was das Auge nicht leistet â das kostet erheblich mehr Energie als bei voll sehenden Kindern. Im Unterricht: Nach intensiver Lese- oder Schreibarbeit Pausen einplanen, Bildschirmzeit begrenzen, auf LichtverhĂ€ltnisse achten.
SehbehinderungBelastung
Selbstregulation
FĂ€higkeit eigene Emotionen, Impulse und Reaktionen zu steuern â ohne externe UnterstĂŒtzung. Selbstregulation entwickelt sich ĂŒber Jahre und ist abhĂ€ngig von Co-Regulations-Erfahrungen. Im Schulalltag: Ziel ist nicht Kontrolle durch INGRA, sondern dass das Kind zunehmend eigene Regulationsstrategien entwickelt (Joker, AtemĂŒbungen, RĂŒckzugsort kennen).
Siegel, D.J. (1999). The Developing Mind.
NeurobiologieEntwicklungZiel
Selektiver Mutismus Krankheitsbild
Angststörung bei der ein Kind in bestimmten Situationen (meist Schule) nicht spricht, obwohl es zuhause normal kommuniziert. Selektiver Mutismus ist keine Verweigerung â das Kind will sprechen, kann es aber nicht. Jeder Sprachdruck verschlimmert die Angst. Nonverbale Kommunikation gleichwertig behandeln, Vertrauen langsam aufbauen.
Bergman et al. (2013). JCCP.
KrankheitsbildAngstKommunikation
â M2-27 Selektiver Mutismus
SekundÀrtraumatisierung
Traumatisierung durch das Zuhören oder Begleiten traumatisierter Menschen â ohne direktes Erleben des Traumas. FachkrĂ€fte in der Arbeit mit belasteten Kindern sind gefĂ€hrdet. Zeichen: AlbtrĂ€ume ĂŒber Kindersituationen, emotionale Taubheit, RĂŒckzug, Vermeidung. PrĂ€vention durch Supervision, Teamaustausch und aktive SelbstfĂŒrsorge.
Figley, C.R. (1995). Compassion Fatigue.
SelbstfĂŒrsorgeTraumaHelfende Berufe
Sexueller Missbrauch Kinderschutz
Jede sexuelle Handlung an oder vor einem Kind unter 14 Jahren â strafbar nach § 176 StGB. Missbrauch geschieht ĂŒberwiegend durch Vertrauenspersonen, nicht durch Fremde. Aufgabe von INGRA: Wahrnehmen, dokumentieren, an TK melden â nicht diagnostizieren, nicht das Kind direkt befragen, nicht Verschwiegenheit versprechen. Ruhig bleiben schĂŒtzt das Kind.
KinderschutzRecht§ 176 StGB
SGB VIII
Sozialgesetzbuch Achtes Buch â Kinder- und Jugendhilfe. Rechtsgrundlage fĂŒr Hilfen zur Erziehung und MaĂnahmen der Jugendwohlfahrt. Relevant fĂŒr Schulbegleitung: § 35a (seelische Behinderung), § 36 (Hilfeplan), § 8a (Schutzauftrag bei KindeswohlgefĂ€hrdung). INGRA handelt im Rahmen des SGB VIII und ist dem Schutzauftrag verpflichtet.
Wiesner (2022). SGB VIII Kommentar. Beck.
RechtJugendhilfeGrundlage
SGB IX
Sozialgesetzbuch Neuntes Buch â Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Seit 2020 Rechtsgrundlage fĂŒr die Eingliederungshilfe (vorher SGB XII). Schulbegleitung als Leistung zur Teilhabe an Bildung (§ 75 ff. SGB IX). ZustĂ€ndig: je nach Bundesland Jugendamt oder Sozialamt.
RechtEingliederungshilfe
Sorgen-Kiste KLARTEXT-System
Niedrigschwellige digitale Ablage fĂŒr Dinge, die einen Jugendlichen gerade beschĂ€ftigen, ohne dass sofort eine Lösung nötig ist. Ăber einen gemeinsamen, gerĂ€teĂŒbergreifenden Speicher (Sorgen-Kiste-Sync) in mehreren Tools gleichzeitig verfĂŒgbar â was an einer Stelle abgelegt wird, erscheint an allen anderen wieder. Inhalte bleiben privat, bis die/der Jugendliche selbst entscheidet, sie zu zeigen.
KLARTEXTEntlastungSelbstwirksamkeit
Superpower-Profil KLARTEXT-System
Ergebnis der Skill-Matrix 2.0 (auch: Bewerbungs-Profi): ĂŒbersetzt Hobbys und AlltagsaktivitĂ€ten eines Jugendlichen in anerkannte berufliche StĂ€rken-Cluster. Aus den stĂ€rksten Clustern generiert das Tool automatisch Textbausteine fĂŒr Anschreiben und Interview-Antworten. Ein Hinweis zu Karte JD-37 âEtwas Neues ausprobieren" begleitet den oft schwierigsten Schritt: die erste Bewerbung tatsĂ€chlich abzuschicken.
KLARTEXTBerufsorientierungStÀrkenorientierung
â Skill-Matrix öffnen
Supervision
Fachliche Begleitung von FachkrĂ€ften durch externe Fachpersonen â zur Reflexion, QualitĂ€tssicherung und Burnout-PrĂ€vention. In helfenden Berufen professioneller Standard. INGRA sollte regelmĂ€Ăig Supervision erhalten oder einfordern. Supervision schĂŒtzt das Kind (bessere Begleitung) und INGRA (Entlastung, Entwicklung).
SelbstfĂŒrsorgeProfessionalitĂ€t
Sympathikus
Teil des vegetativen Nervensystems â zustĂ€ndig fĂŒr Aktivierung bei Stress und Gefahr. âFight or flight". Gegenspieler des Parasympathikus. Bei Bedrohung dominiert der Sympathikus: Herzrate steigt, Muskeln spannen sich, Gehirn fokussiert auf Ăberleben. Im Schulalltag entspricht Barometer Orange bis Rot einem sympathischen Zustand â Lernen ist kaum möglich.
Porges, S.W. (2011).
NeurobiologieStress
T
Tagesdokumentation
TĂ€gliche schriftliche Aufzeichnung relevanter Beobachtungen, Ereignisse und Interventionen. Rechtlich erforderlich und professioneller Standard. Inhalt: Barometer-Farbe, eingesetzte Werkzeuge, besondere Situationen â sachlich, ohne Bewertung, zeitnah. Was nicht hinein gehört: Vermutungen, Diagnosen, private Familieninformationen.
DokumentationRecht
â M5-01 Tagesdokumentation
TĂ€ter-Opfer-Umkehr
Dynamik bei Mobbing bei der das Opfer als TĂ€ter wahrgenommen wird â weil seine sichtbare Reaktion auf Provokation beobachtet wird, nicht die Provokation selbst. Erwachsene sehen den Ausbruch, nicht das System dahinter. INGRA beobachtet Muster ĂŒber Zeit: Wer beginnt? Dokumentation ist entscheidend.
Salmivalli et al. (1996). Aggressive Behavior.
MobbingDynamik
â M6-05 TĂ€ter-Opfer-Umkehr
Token-System
Motivationssystem bei dem Kinder Token (Punkte, Stempel, Kleber) fĂŒr erwĂŒnschtes Verhalten sammeln und gegen vereinbarte Belohnungen eintauschen. Wirksam wenn: einfach gehalten, Kind wĂ€hlt Belohnung mit, konsequent angewendet, kleine Schritte belohnt werden. Ausschleichen wenn Verhalten stabil ist.
PĂ€dagogikMotivation
â M3-33 Token-Systeme
Trauma
ĂberwĂ€ltigende Erfahrung die das Nervensystem ĂŒbersteigt und nicht vollstĂ€ndig verarbeitet werden kann. Trauma verĂ€ndert messbar Hirnstruktur und -funktion â besonders Amygdala und Hippocampus. Im Schulalltag: traumatisierte Kinder reagieren auf Trigger als wĂ€re die Situation gerade jetzt real â nicht weil sie wollen, sondern weil ihr Nervensystem es tut.
van der Kolk, B.A. (2014). The Body Keeps the Score.
TraumaNeurobiologieGrundlagenkonzept
â M2-05 Trauma-Basics
Trigger
Reiz der eine traumatische Erinnerung oder eine starke emotionale Reaktion auslöst â oft ohne bewusste Verbindung zum ursprĂŒnglichen Erlebnis. Trigger können sein: GerĂ€usche, GerĂŒche, Worte, Situationen, Körperpositionen. Im Schulalltag: Kind reagiert unverhĂ€ltnismĂ€Ăig auf scheinbar kleine Auslöser â weil der Trigger das Nervensystem in den Alarmzustand versetzt.
TraumaNeurobiologie
Twice-Exceptional (Doppelbegabung)
Bezeichnet Kinder, die gleichzeitig hochbegabt und von einer Lernschwierigkeit, ADHS, Autismus oder einer anderen BeeintrĂ€chtigung betroffen sind. Die beiden Besonderheiten maskieren sich oft gegenseitig â die Begabung ĂŒberdeckt die Schwierigkeit oder umgekehrt, sodass beides ĂŒbersehen wird. INGRA sollte auf ungewöhnliche Kombinationen achten, etwa groĂe WissenslĂŒcken bei gleichzeitig tiefem Fachinteresse.
Reis, Baum & Burke (2014). Gifted Child Quarterly.
BegabungDoppelbegabung
â Systemkapitel Hochbegabung