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Kurs · Lehrkräfte aller Schulformen · auch für Schulbegleitung & Schulsozialarbeit

Wenn es im Klassenzimmer kippt

Deeskalation mit Barometer, kLAR und Kopfstandfrage – ruhig bleiben, klar handeln, vorbeugen.

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5 Farben · Frühwarnzeichen · Was jetzt hilft
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Eskalationen kommen selten aus dem Nichts. Meist gibt es vorher Zeichen – wenn man weiß, worauf man achten muss. Das Barometer zeigt in fünf Farben, wie es einem Kind oder Jugendlichen gerade geht. Es beschreibt den Zustand des Nervensystems, nicht die Laune und nicht den Charakter.

GrünStabil, lernbereit, erreichbar.Unterricht normal · Beziehung pflegen
GelbAngespannt, gereizt, unruhig – aber gut erreichbar.Früh reagieren → kLAR, Aufgabe ggf. vereinfachen
OrangeDysreguliert: laut, wirft Dinge, weint, läuft weg. Gespräch noch möglich.kLAR · Anforderungen runter
RotAkute Krise, Panik, Gefahr für sich oder andere.Nur noch Feuerwehr-Protokoll
GrauErschöpft, leer, abgeschaltet, zieht sich zurück.Erst beobachten · nicht drängen · stille Präsenz

Die Grundregel: Je weiter rechts auf der Skala, desto weniger Worte und desto weniger Anforderungen. Bei Orange ist Lernen kaum möglich – erst Regulation, dann Unterricht.

Achtung Grau: Grau wird oft als „Null Bock“ oder Trotz gelesen. Dahinter steckt häufig Erschöpfung oder Überforderung. Druck macht Grau nicht grün – er kippt eher nach Orange.
→ LK-02 · Das Barometer im Unterricht → Barometer & kLAR kurz erklärt
Fallbeispiel
Nach der großen Pause sitzt Mehmet (Klasse 7) mit dem Kopf auf dem Tisch. Er reagiert nicht auf deine Ansprache, die Kapuze ist tief im Gesicht. Du hast mitbekommen, dass es auf dem Hof Streit gab.
Wie liest du die Situation – und was tust du?
Reflexion
Denk an eine Schülerin oder einen Schüler (ohne Namen): Woran erkennst du bei ihr oder ihm den Wechsel von Grün auf Gelb?
Wissen

kLAR ist die gemeinsame Gesprächsstruktur für Gelb und Orange – also bevor es zur echten Krise kommt. Vier Schritte, immer in dieser Reihenfolge, keinen überspringen:

KKontakt & Sicherheit
Auf Augenhöhe, seitlich stellen, Abstand lassen. Zuschauer wegnehmen.
LLeise & Langsam
Stimme senken, kurze Sätze, Pausen aushalten – nicht füllen.
AAnerkennung & Atmen
„Ich sehe, dass es dir gerade schwerfällt.“ Selbst ruhig ausatmen.
RReizreduktion & Rückzug
Lärm, Menschen, Aufgaben runter. Rückzugsort anbieten, nicht drängen.
Das hilft„Ich bin da.“ · „Wir haben Zeit.“ · „Du kannst kurz in die Ruhe-Ecke.“ · selbst langsam atmen (Co-Regulation)
Das verschärftWarum-Fragen · viele Worte · Konsequenzen androhen · vor der Klasse diskutieren · von oben herab sprechen · ungefragt anfassen
Aufgabenteilung mit Schulbegleitung: Die Schulbegleitung leitet kLAR beim begleiteten Kind ein, du führst die Klasse weiter und gibst Raum. Ohne Schulbegleitung übernimmst du beides – dann hilft ein kurzer Arbeitsauftrag für die Klasse, damit du dich kümmern kannst.

Ab Rot reicht kLAR nicht mehr – dann gilt nur noch das Feuerwehr-Protokoll (Lektion 4).

→ LK-16 · Das kLAR-Modell verstehen → Mein kLAR-Deeskalations-Fahrplan
Fallbeispiel
Mitten in der Stillarbeit wirft Lea (Klasse 8) ihr Heft auf den Boden und ruft: „Ich mach den Scheiß nicht!“ Die halbe Klasse dreht sich um.
Was ist der beste erste Schritt?
Reflexion
Welcher kLAR-Schritt fällt dir im Unterrichtsalltag am schwersten – und was könnte dir helfen, ihn trotzdem zu gehen?
Wissen

Deeskalation beginnt bei dir. Nicht, weil du „schuld“ bist – sondern weil deine Reaktion der Teil der Situation ist, den du steuern kannst. Die Kopfstandfrage hilft, eigene Muster ehrlich anzuschauen, ohne dich selbst anzuklagen. Du drehst die Frage einfach um:

„Was müsste ich tun, damit diese Situation garantiert eskaliert?“

Die Antworten kommen meist schnell – und sie sind oft erstaunlich vertraut:

KopfstandLaut werden und immer mehr reden.
UmgedrehtLeiser werden, weniger Worte.
KopfstandVor der ganzen Klasse diskutieren.
UmgedrehtPublikum wegnehmen, später unter vier Augen.
KopfstandSofort mit Konsequenzen drohen.
UmgedrehtErst regulieren – Konsequenzen gehören danach.
KopfstandDen Machtkampf unbedingt gewinnen wollen.
UmgedrehtAus dem Machtkampf aussteigen: „Wir klären das später.“
KopfstandSelbst auf Orange sein und trotzdem weitermachen.
UmgedrehtEigenes Barometer checken – bei Bedarf Joker ziehen.

Deine „roten Knöpfe“: Jede und jeder hat Auslöser, bei denen es schneller heiß wird – etwa Respektlosigkeit, Zeitdruck, Beobachtung durch andere oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Wer seine Knöpfe kennt, kann vorher gegensteuern.

Merksatz: Nur wer selbst auf Grün oder Gelb ist, kann co-regulieren. Wenn du auf Orange bist, ist Hilfe holen Professionalität – kein Versagen.
→ Das Hilfesignal – Notfallsignal unter Erwachsenen
Fallbeispiel
Du merkst, dass du bei Jonas (Klasse 9) immer schneller laut wirst. Heute hat er zum dritten Mal in der Stunde reingerufen, und du spürst, wie dir heiß wird.
Was hilft dir in diesem Moment am meisten?
Reflexion
Deine persönliche Kopfstandliste: Was müsstest du tun, damit eine schwierige Situation in deiner Klasse garantiert eskaliert? Schreib drei Punkte auf – und dreh sie um.
Wissen

Bei Rot – akute Krise, Panik, Dissoziation oder Gefahr – geht es nicht mehr um Gespräch oder Einsicht. Jetzt gilt nur noch das Feuerwehr-Protokoll. Es ersetzt kLAR vollständig.

1Sicherheit herstellen
Abstand zur Gruppe, Raum freimachen, gefährliche Gegenstände weg.
2Kontakt halten
Ruhige Stimme, wenig Worte: „Ich bin hier. Du bist sicher.“
3Regulieren lassen
Kein Erklären, kein Diskutieren. Warten, da bleiben.
4Fachkraft/Leitung informieren
Schulleitung bzw. zuständige Ansprechperson sofort in Kenntnis setzen.
5Nachgespräch – viel später
Erst wenn das Kind vollständig reguliert ist. Oft erst am nächsten Tag.
Mit SchulbegleitungDie Schulbegleitung übernimmt das Kind. Du übernimmst die Klasse: andere Kinder schützen, Raum freimachen, Ruhe ausstrahlen.
Allein in der KlasseKlasse in Sicherheit bringen (z. B. Nachbarklasse), Hilfe holen lassen – vorher vereinbartes Signal oder Notfallkarte. Das Kind möglichst nicht allein lassen.
Wichtig: Kein Festhalten als Erziehungsmittel. Körperliches Eingreifen nur, wenn eine akute Gefahr für das Kind oder andere nicht anders abzuwenden ist – und danach immer sachlich dokumentieren und die Schulleitung informieren. Bei unmittelbarer Gefahr: Notruf 112 bzw. 110.

Konsequenzen gehören nicht in die Krise – sie gehören danach. Im Nachgespräch geht es um Verstehen und Wiedergutmachung: Was war vorher los? Was hat geholfen? Was brauchst du beim nächsten Mal?

Vereinfachte Orientierung, keine Rechtsberatung. Es gelten das Schulgesetz deines Bundeslandes und das Krisen- bzw. Schutzkonzept deiner Schule.

→ LK-03 · Wenn das Kind eskaliert → Feuerwehr-Protokoll kurz erklärt
Fallbeispiel
Paul (Klasse 3) wirft in der Mathestunde Stühle um und schreit. Zwei Kinder sitzen direkt neben ihm und weinen. Eine Schulbegleitung gibt es in der Klasse nicht.
Was ist jetzt richtig?
Reflexion
Weißt du, wie in deiner Schule Hilfe geholt wird, wenn du allein in der Klasse bist? Was müsstest du dafür noch klären?
Wissen

Die beste Deeskalation ist die, die gar nicht nötig wird. Viele Eskalationen haben ein Muster: bestimmte Uhrzeiten, Fächer, Übergänge oder Anforderungen. Wer das Muster kennt, kann vorher handeln – meist schon bei Gelb.

Pausen einplanenKurze Bewegungs- oder Atempausen, bevor es kippt · ein fester Ruheort im Raum oder in der Nähe · Pausen-Station (1 Minute atmen oder bewegen) · Übergänge ankündigen
Joker vereinbarenEin vorher abgesprochenes Signal, mit dem ein Kind ohne Worte zeigen kann: „Ich brauche kurz Pause.“ Unter Erwachsenen: ein Signal für „Ich brauche dich jetzt“ oder „Übernimm bitte kurz“.

Damit der Joker funktioniert:

  • Er wird vorher vereinbart – im Notfall ist es zu spät für Erklärungen.
  • Es ist klar, was nach dem Signal passiert: Wohin darf das Kind? Wie lange? Wer schaut nach?
  • Er ist kein Belohnungs- oder Strafsystem, sondern ein Werkzeug zur Selbstregulation.
  • Nach ein paar Wochen schaut ihr gemeinsam: Wie oft wird er genutzt – und hilft er?
Merksatz: Eine Pause bei Gelb spart eine Krise bei Rot.
→ Das Hilfesignal – Notfallsignal → Pausen-Station
Fallbeispiel
Aylin (Klasse 6) gerät fast jeden Donnerstag in der 6. Stunde auf Orange – nach Sport, kurz vor Schulschluss, in Deutsch mit langen Schreibaufgaben.
Was ist der wirksamste nächste Schritt?
Reflexion
Gibt es in deiner Klasse ein wiederkehrendes Eskalationsmuster? Welche Pause oder welches Signal könntest du ab nächster Woche ausprobieren?

📥 Material zum Kurs

🌡️Das Barometer im Unterricht (LK-02)🤝Das kLAR-Modell verstehen (LK-16)🗺️Mein kLAR-Deeskalations-Fahrplan (zum Ausdrucken)🚒Wenn das Kind eskaliert – Aufgaben in der Krise (LK-03)🃏Joker-Set · 8 Signalkarten⏸️Pausen-Station📖Barometer, kLAR & Feuerwehr-Protokoll kurz erklärt

Deine Reflexionen werden nicht gespeichert oder übertragen. Nur dein Lernfortschritt bleibt auf diesem Gerät.

Der Kurs ersetzt keine Supervision, kein Kinderschutzverfahren und keine Rechtsberatung. Bei unmittelbarer Gefahr: Notruf 112 bzw. 110.

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