Weglaufen / Flucht
Schule verlassen · Sicherung · Suche · Deeskalation
Das Kind verlässt unkontrolliert das Schulgebäude oder den Klassenraum und ist nicht mehr beaufsichtigt. Die Sicherheit des Kindes hat absoluten Vorrang. INGRA handelt jetzt schnell und koordiniert – ohne das Kind in Panik zu versetzen.
Sofortmaßnahmen – in dieser Reihenfolge
1
Lehrkraft sofort informieren – Klasse absichern
Unmittelbar: „[Name] ist aus dem Raum / aus der Schule gelaufen." Lehrkraft übernimmt Klasse. INGRA ist frei, das Kind zu verfolgen.
2
Kind auf Sicht halten – ruhig folgen, nicht hetzen
INGRA folgt dem Kind in sicherem Abstand – ohne zu schreien, zu rufen oder zu rennen (außer bei unmittelbarer Gefahr). Nähe signalisieren: „Ich bin hinter dir. Ich laufe nicht weg."
3
TK und Schulleitung sofort informieren
Mobiltelefon nutzen. Kurze Meldung: „[Name] hat Schule verlassen, läuft Richtung [Beschreibung]. Ich bin dabei." TK koordiniert ggf. Elterninformation und Unterstützung.
4
Bei Verkehr oder unmittelbarer Gefahr: Sicherung Vorrang
Wenn das Kind auf eine Straße zuzulaufen droht: körperliche Sicherung ist erlaubt und geboten – verhältnismäßig, schützend, ohne Festhalten. Notruf 112 bei Gefahr.
5
Kind stoppen – wenn möglich durch Ansprache
Wenn sicherer Raum: „[Name], ich bin da. Du musst nirgendwo hin. Wir können hier kurz stehen bleiben." Nicht körperlich aufhalten, wenn keine akute Gefahr besteht.
6
Rückkehr begleiten – ohne Vorwurf
Wenn das Kind stoppt: gemeinsam und ruhig zurückgehen. Kein Kommentar zum Weglaufen jetzt. Erst Stabilisierung, dann – mit TK – Aufarbeitung. Satz: „Gut, dass du jetzt hier bist."
Erkennungssignale & Vorläufer
Kind bewegt sich schnell zur Tür
Blick zur Tür, Unruhe, Anspannung
Taschen/Jacke packen mitten im Unterricht
Frühere Fluchtversuche (Muster kennen)
Eskalation kurz vor dem Verlassen des Raums
Kind meldet sich nicht bei bekannten Auszeiten
Was jetzt gilt – und was nicht
Jetzt tun
Jetzt nicht tun
✓ Kind auf Sicht halten, ruhig folgen
✗ Schreien, Hetzen, Nachjagen
✓ Schulleitung und TK sofort informieren
✗ Alleine suchen ohne Information
✓ Bei Straßengefahr: körperliche Sicherung
✗ Kind festhalten ohne akute Gefahr
✓ Ruhige Ansprache, Begleitung zurück
✗ Sofortige Konsequenzen androhen
Nach dem Vorfall
Dokumentation – Uhrzeit, Anlass, Richtung, Dauer, wie das Kind gefunden/begleitet wurde
TK und Eltern – Information in Absprache, koordiniert durch TK und Schulleitung
Trigger-Analyse – Was hat das Kind zur Flucht veranlasst? Mit TK: präventive Maßnahmen entwickeln
Fluchtplan für die Zukunft – Wenn Kind bekanntermaßen flieht: präventiv Sicherheitsprotokoll mit TK und Schule erarbeiten
⚠️ Kind nicht auffindbar: Wenn das Kind außer Sicht ist und nicht gefunden wird: sofort Schulleitung, TK und Eltern informieren. Bei längerem Verschwinden: Polizei (110). Keine Alleinverantwortung übernehmen.
🧠 Hintergrund: Flucht ist eine evolutionäre Schutzreaktion (Flight-Reaktion, Polyvagaltheorie). Das Kind flieht vor einer Situation, die es als bedrohlich erlebt – nicht vor INGRA. Hektisches Nachrennen oder Schreien verstärkt die Panik und das Fluchtverhalten. Ruhige Präsenz signalisiert: „Du bist sicher. Ich verfolge dich nicht als Feind."
✅ Prävention: Kinder mit bekannten Fluchtreaktionen profitieren von vorab vereinbarten „Sicherheitsorten" auf dem Schulgelände. Mit TK und Schule abstimmen: Wo darf das Kind sich kurz aufhalten? Was signalisiert, dass es sicher ist?
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