FK-03 AKUT Feuerwehrkarte 3 von 7 · Barometer ROT

Panikattacke

Angst · Herzrasen · Hyperventilation · Zittern

Das Kind erlebt eine akute Angstreaktion: Herzrasen, Zittern, Atemnot, Schwindel oder das Gefühl zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Die Körperreaktion ist real – auch wenn keine objektive Gefahr besteht. Panikattacken enden von selbst, können aber sehr beängstigend wirken.

Sofortmaßnahmen – in dieser Reihenfolge
1
Ruhige, sichere Umgebung schaffen Klasse diskret informieren. Kind wenn möglich in ruhigeren Bereich begleiten (Flur, Ecke). Sitzen oder hinsetzen lassen. Blicke anderer vermeiden.
2
Körperkontakt nur mit Einverständnis – nie erzwingen Fragen: „Darf ich deine Hand halten?" Manche Kinder wollen Körperkontakt, manche nicht. Beides ist richtig. Eigene Körperhaltung öffnen, auf gleiche Augenhöhe gehen.
3
Orientierungssätze ruhig sprechen „Du bist jetzt hier. Du bist in Sicherheit. Das geht vorbei. Dein Körper macht das richtig." Kurze Sätze, ruhige tiefe Stimme. Kein Erklären, keine Fragen.
4
Atemführung anbieten – gemeinsam voratmen Selbst langsam und hörbar atmen. Einladen, mitzumachen – nicht einfordern. Boxatmung oder einfache Verlangsamung. Satz: „Atme mit mir – ein… und aus…"
5
TK informieren Sobald das Kind sicher begleitet ist: kurze Nachricht. Bei erster Panikattacke oder unbekanntem Kind: TK sofort, da Elterninformation und ggf. medizinische Abklärung nötig.
6
5-4-3-2-1 Erdung anbieten (wenn Kind ansprechbar) „Nenn mir 5 Dinge, die du siehst." Dann 4 Dinge, die du hörst. 3 Dinge, die du fühlst. 2 Dinge, die du riechst. 1 Ding, das du schmeckst. Bewusstsein zurück in den Körper holen.
Atemhilfe – Boxatmung (4-4-4-4)
4
Einatmen
4
Halten
4
Ausatmen
4
Pause
Erkennungssignale für diese Karte
Schnelle, flache Atmung (Hyperventilation)
Herzrasen, Zittern, Schwitzen
Schwindel, Taubheitsgefühle
„Ich sterbe" / „Ich kann nicht mehr"
Plötzliche extreme Angst ohne klaren Auslöser
Weinen, Schreien vor Angst
Was jetzt gilt – und was nicht
Jetzt tun
Jetzt nicht tun
✓ Ruhige Stimme, sichere Präsenz
✗ „Reiß dich zusammen" / „Ist doch nichts"
✓ Gemeinsam atmen, voratmen
✗ In eine Tüte atmen lassen
✓ Orientierungssätze: „Du bist sicher"
✗ Nach Ursache fragen
✓ Erdungsübung 5-4-3-2-1 anbieten
✗ Sofortige Rückkehr in den Unterricht
Nach der Panikattacke
📋
Dokumentation – Uhrzeit, Dauer, Symptome, Verlauf, was geholfen hat
📞
TK-Nachbericht – Elterninformation in Absprache mit TK
🩺
Medizinische Abklärung – bei Erstsymptomatik empfehlenswert; körperliche Ursachen ausschließen
🔍
Trigger-Analyse – mit TK: Was ist davor passiert? Gibt es Muster?
🧠 Neurobiologischer Hintergrund: Eine Panikattacke ist eine fehlerhafte Aktivierung des Alarm-Systems – der Amygdala. Der Körper reagiert auf eine gefühlte Gefahr wie auf eine echte. Hyperventilation (zu schnelles Atmen) verstärkt die Symptome durch CO₂-Abfall. Langsameres Ausatmen als Einatmen (z.B. 4 ein, 6 aus) reguliert das parasympathische System und beendet die Reaktion.
⚠️ Notruf (112) bei: Erste Panikattacke + starke Brustschmerzen + Kind verliert das Bewusstsein + Dauer über 30 Minuten ohne Abklingen. Im Zweifel immer absichern.
Panikattacken enden immer. Das ist die wichtigste Information für das Kind. „Das geht vorbei. Dein Körper weiß, wie er das wieder runterfährt. Du bist nicht allein."
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