Panikattacke
Angst · Herzrasen · Hyperventilation · Zittern
Das Kind erlebt eine akute Angstreaktion: Herzrasen, Zittern, Atemnot, Schwindel oder das Gefühl zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Die Körperreaktion ist real – auch wenn keine objektive Gefahr besteht. Panikattacken enden von selbst, können aber sehr beängstigend wirken.
Sofortmaßnahmen – in dieser Reihenfolge
1
Ruhige, sichere Umgebung schaffen
Klasse diskret informieren. Kind wenn möglich in ruhigeren Bereich begleiten (Flur, Ecke). Sitzen oder hinsetzen lassen. Blicke anderer vermeiden.
2
Körperkontakt nur mit Einverständnis – nie erzwingen
Fragen: „Darf ich deine Hand halten?" Manche Kinder wollen Körperkontakt, manche nicht. Beides ist richtig. Eigene Körperhaltung öffnen, auf gleiche Augenhöhe gehen.
3
Orientierungssätze ruhig sprechen
„Du bist jetzt hier. Du bist in Sicherheit. Das geht vorbei. Dein Körper macht das richtig." Kurze Sätze, ruhige tiefe Stimme. Kein Erklären, keine Fragen.
4
Atemführung anbieten – gemeinsam voratmen
Selbst langsam und hörbar atmen. Einladen, mitzumachen – nicht einfordern. Boxatmung oder einfache Verlangsamung. Satz: „Atme mit mir – ein… und aus…"
5
TK informieren
Sobald das Kind sicher begleitet ist: kurze Nachricht. Bei erster Panikattacke oder unbekanntem Kind: TK sofort, da Elterninformation und ggf. medizinische Abklärung nötig.
6
5-4-3-2-1 Erdung anbieten (wenn Kind ansprechbar)
„Nenn mir 5 Dinge, die du siehst." Dann 4 Dinge, die du hörst. 3 Dinge, die du fühlst. 2 Dinge, die du riechst. 1 Ding, das du schmeckst. Bewusstsein zurück in den Körper holen.
Atemhilfe – Boxatmung (4-4-4-4)
4
Einatmen
4
Halten
4
Ausatmen
4
Pause
Erkennungssignale für diese Karte
Schnelle, flache Atmung (Hyperventilation)
Herzrasen, Zittern, Schwitzen
Schwindel, Taubheitsgefühle
„Ich sterbe" / „Ich kann nicht mehr"
Plötzliche extreme Angst ohne klaren Auslöser
Weinen, Schreien vor Angst
Was jetzt gilt – und was nicht
Jetzt tun
Jetzt nicht tun
✓ Ruhige Stimme, sichere Präsenz
✗ „Reiß dich zusammen" / „Ist doch nichts"
✓ Gemeinsam atmen, voratmen
✗ In eine Tüte atmen lassen
✓ Orientierungssätze: „Du bist sicher"
✗ Nach Ursache fragen
✓ Erdungsübung 5-4-3-2-1 anbieten
✗ Sofortige Rückkehr in den Unterricht
Nach der Panikattacke
Dokumentation – Uhrzeit, Dauer, Symptome, Verlauf, was geholfen hat
TK-Nachbericht – Elterninformation in Absprache mit TK
Medizinische Abklärung – bei Erstsymptomatik empfehlenswert; körperliche Ursachen ausschließen
Trigger-Analyse – mit TK: Was ist davor passiert? Gibt es Muster?
🧠 Neurobiologischer Hintergrund: Eine Panikattacke ist eine fehlerhafte Aktivierung des Alarm-Systems – der Amygdala. Der Körper reagiert auf eine gefühlte Gefahr wie auf eine echte. Hyperventilation (zu schnelles Atmen) verstärkt die Symptome durch CO₂-Abfall. Langsameres Ausatmen als Einatmen (z.B. 4 ein, 6 aus) reguliert das parasympathische System und beendet die Reaktion.
⚠️ Notruf (112) bei: Erste Panikattacke + starke Brustschmerzen + Kind verliert das Bewusstsein + Dauer über 30 Minuten ohne Abklingen. Im Zweifel immer absichern.
✅ Panikattacken enden immer. Das ist die wichtigste Information für das Kind. „Das geht vorbei. Dein Körper weiß, wie er das wieder runterfährt. Du bist nicht allein."
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