Erkennen, richtig reagieren, Spuren sichern, gemeinsam mit der Lehrkraft handeln.
Mobbing ist kein Konflikt, sondern ein systematischer Prozess. Drei Merkmale gehören zusammen (Olweus, 1993): Wiederholung, Machtungleichgewicht und Absicht. Ein einmaliger Streit oder eine Auseinandersetzung unter Gleichgestellten ist kein Mobbing und braucht andere Wege.
Beim betroffenen Kind: Rückzug, plötzliches Schweigen, Schulvermeidung, Bauchschmerzen, Alleinsein in der Pause, verlorene Dinge, Leistungsabfall. In der Gruppe: Tuscheln und Lachen auf Kosten eines Kindes, Ausschluss aus Spielen, Schweigen, wenn das Kind den Raum betritt.
Bei Mobbing-Verdacht bist du Beobachterin und Schutzfaktor, keine Ermittlerin und keine Richterin.
Das tust du: beobachten und Muster dokumentieren, das Kind stabilisieren und sichere Orte schaffen, die Pausenbegleitung verstärken, die Lehrkraft zeitnah und sachlich informieren, bei Wiederholung den Träger einbeziehen, das Kind stärken.
Das tust du nicht: allein Täterkinder konfrontieren, Befragungen durchführen, Schuld zuweisen, Gespräche ohne Lehrkraft führen, bagatellisieren („Das wird schon“), Eltern anderer Kinder ansprechen.
Meldekette: INGRA → Lehrkraft → Träger/TK → Schulleitung. Mobbing ist ein Gruppenprozess, deshalb können Einzel-Interventionen ohne System die Lage verschlimmern.
Cybermobbing ist besonders belastend: Es läuft rund um die Uhr, verbreitet sich schnell und lässt kaum Rückzugsräume. Wenn digitale Angriffe passieren, müssen Spuren gesichert werden, bevor sie verschwinden. Das ist keine Ermittlung, sondern Kinderschutz.
Das tust du: Screenshots machen, bevor Inhalte gelöscht werden; Datum, Uhrzeit und Plattform notieren; keine Gegennachrichten senden; das Kind bestärken, nicht zu antworten und nicht zu löschen; alles an TK und Lehrkraft weitergeben.
Das tust du nicht: eigenständig bei Plattformen melden, Täter oder deren Eltern kontaktieren, private Geräte des Kindes durchsuchen, Schuld zuweisen. Bei Bedrohungen, Nacktbildern Minderjähriger oder Volksverhetzung sprichst du sofort mit der TK, bevor du etwas weiterleitest. Solche Inhalte können strafbar sein und brauchen rechtliche Begleitung.
Satz an das Kind: „Du hast nichts falsch gemacht. Zeig es mir, wir sichern es gemeinsam und geben es weiter.“
Lehrkraft und Schulbegleitung müssen beim Thema Mobbing an einem Strang ziehen. Die Schulbegleitung beobachtet und meldet, dokumentiert systematisch, gibt sachlich weiter und schützt das begleitete Kind im Alltag. Die Lehrkraft koordiniert die Klassenintervention, führt Elterngespräche, bezieht Schulsozialarbeit und Schulleitung ein und legt Konsequenzen fest.
Gehen die Einschätzungen auseinander: nie vor dem Kind diskutieren, die TK als vermittelnde Stelle einbeziehen, die Dokumentation als sachliche Grundlage nutzen und das gemeinsame Ziel benennen, das Wohl des Kindes.
Prävention in der Klasse mit den Materialien aus dem Anti-Mobbing-Training: Klassenvertrag, Verbündeten-Karte, Stoppschild und Meldekarte. Kinder können sich außerdem bei der „Nummer gegen Kummer“ melden: 116 111.
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