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Kurs · Lehrkräfte aller Schulformen

Zu zweit im Klassenzimmer

Gut zusammenarbeiten mit der Schulbegleitung – klare Rollen, gemeinsame Sprache, gute Absprachen.

⏱ ca. 45 Minuten
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Wer macht was?
Rollen klären · Aufgaben teilen · gemeinsames Ziel
Offen▼
Wissen

Mit einer Schulbegleitung (auch: Integrationsassistenz, INGRA) sind zwei Erwachsene für ein Kind da – aber mit unterschiedlichen Aufträgen. Je klarer die Rollen sind, desto besser geht es dem Kind, der Klasse und euch beiden.

Du als LehrkraftUnterricht & Lehrplan · Notengebung · Klassenführung · Aufsicht über die Klasse · Elterngespräche zu Schule und Leistung
Die SchulbegleitungBegleitung des einen Kindes · Unterstützung bei Regulation (Barometer) · Beobachtung & Dokumentation · Krisenwerkzeuge

Die Schulbegleitung ist keine zweite Lehrkraft und keine Vertretung. Sie unterstützt das Kind dabei, am Unterricht teilzuhaben – den Unterricht gestaltest du.

Merksatz: Eine klare Rolle ist keine Grenze, sondern Schutz – für das Kind, für dich und für die Schulbegleitung.
→ LK-01 · Zusammenarbeit mit INGRA
Fallbeispiel
In Mathe erklärt die Schulbegleitung dem begleiteten Kind eine Aufgabe mit einem ganz anderen Rechenweg als deinem. Das Kind ist verwirrt, die Nachbarn schauen schon.
Was ist die beste Reaktion?
Reflexion
Welche Aufgaben übernimmt deine Schulbegleitung heute schon – und wo seid ihr euch über die Aufteilung noch nicht einig?
Wissen

Du musst kein Sozialrecht können – aber du solltest wissen, wer wofür zuständig ist. Das spart dir viele Gespräche, die gar nicht zu dir gehören.

1Die Eltern beantragen die Schulbegleitung – beim Jugendamt (§ 35a SGB VIII, seelische Behinderung) oder beim Träger der Eingliederungshilfe (SGB IX).
2Der Kostenträger bewilligt Stunden und Ziele im Hilfe- bzw. Teilhabeplan.
3Ein Träger stellt die Schulbegleitung ein und schickt sie in die Schule. Er ist ihr Arbeitgeber.
4Die Schule arbeitet pädagogisch mit ihr zusammen – ohne Arbeitgeberrolle.
Deine ZuständigkeitUnterricht & Lernziele · Klassenführung · Aufsichtspflicht · pädagogische Kooperation · Elterngespräche zu Schule
Nicht deine ZuständigkeitStundenbewilligung · Personalfragen der Schulbegleitung · Hilfeplangespräche · Kommunikation mit dem Träger über Vertragliches · Kostenfragen

Du kannst Absprachen einfordern, aber der Schulbegleitung keine arbeitsrechtlichen Anweisungen geben – das Weisungsrecht liegt beim Träger. Übergeordnet gilt das Recht auf inklusive Bildung (UN-Behindertenrechtskonvention, Art. 24).

Vereinfachte Orientierung, keine Rechtsberatung. Zuständigkeiten sind je nach Bundesland und Kommune unterschiedlich organisiert.

→ LK-10 · Rechtliche Grundlagen in 5 Minuten
Fallbeispiel
Beim Elternsprechtag fragt die Mutter des begleiteten Kindes: „Können Sie dafür sorgen, dass die Schulbegleitung auch nachmittags in der OGS dabei ist?“
Was antwortest du?
Reflexion
Welche Fragen von Eltern landen bei dir, obwohl sie eigentlich zum Jugendamt, zum Träger oder zur Schulleitung gehören? Wie willst du künftig antworten?
Wissen

Die ersten vier Wochen entscheiden, ob ihr ein Team werdet oder nebeneinander herarbeitet. Nimm dir für das Erstgespräch 20 Minuten – sie sparen dir später Stunden.

Was ihr im Erstgespräch klärt:

  • Was weiß die Schulbegleitung über das Kind – und was weißt du, was sie noch nicht weiß?
  • Wie verständigt ihr euch im Unterricht? Blickkontakt, Handzeichen, Zettel – was ist unauffällig?
  • Wann tauscht ihr euch regelmäßig aus? (z. B. 5 Minuten pro Woche – mit festem Termin)
  • Wie geht ihr mit Meinungsverschiedenheiten um – direkt miteinander, nicht über das Kind?
  • Wer spricht worüber mit den Eltern?
W1Beobachten & Ankommen – wenig Erwartungen, viel Spielraum.
W2Erstes Feedback-Gespräch – Beobachtungen austauschen, Absprachen konkretisieren.
W3Routine einüben – Signale, Übergaben, Zuständigkeiten werden Gewohnheit.
W4Zwischenbilanz – Was läuft gut? Was braucht Anpassung?
→ LK-06 · Schuljahresbeginn mit neuer INGRA
Fallbeispiel
Erster Schultag nach den Ferien. Eine neue Schulbegleitung sitzt hinten im Raum. Niemand hat ihr etwas erklärt, du hast selbst kaum Zeit.
Was ist der beste nächste Schritt?
Reflexion
Welche drei Fragen willst du im nächsten Erstgespräch mit einer Schulbegleitung auf jeden Fall stellen?
Wissen

Gute Zusammenarbeit braucht keine langen Sitzungen, sondern kurze, feste Routinen:

  • Morgens 2 Minuten: Die Schulbegleitung sagt, wie das Kind ankommt (Barometer-Farbe). Du sagst, was heute anders läuft (Test, Vertretung, Ausflug).
  • Gemeinsame Signale: ein Zeichen für „Ich gehe mit dem Kind kurz raus“ und eines für „Ich brauche dich“.
  • Regelmäßiges Feedback: auch kritisches – aber nie vor dem Kind.

Das Barometer als gemeinsame Sprache: Es zeigt den Zustand des Nervensystems, nicht die Laune.

Grün · GelbGrün: normal weiter. Gelb: beobachten, Aufgabe ggf. vereinfachen.
Orange · Rot · GrauOrange: Schulbegleitung übernimmt, Anforderungen runter. Rot: Krise – andere Kinder schützen, Raum freimachen. Grau: erschöpft – keine Anforderungen, stille Präsenz.
Wichtig: Bei Orange ist Lernen kaum möglich. Erst Regulation – dann Unterricht.
→ LK-02 · Das Barometer im Unterricht → Barometer & kLAR kurz erklärt
Fallbeispiel
Du schreibst gerade einen Test. Das begleitete Kind ist sichtbar auf Orange: Es zerknüllt das Blatt und atmet schnell. Die Schulbegleitung schaut dich fragend an.
Wie reagiert ihr am besten?
Reflexion
Welche zwei Signale wollt ihr in deiner Klasse vereinbaren – und wann findet eure 2-Minuten-Absprache statt?
Wissen

Zwei Erwachsene in einem Raum – da darf es auch mal knirschen. Typische Spannungsquellen:

  • Die Schulbegleitung greift in den Unterricht ein, gibt eigene Aufgaben oder korrigiert.
  • Du fühlst dich beobachtet oder bewertet.
  • Die Schulbegleitung spricht mit den Eltern, ohne dich einzubeziehen.
  • Ihr habt unterschiedliche Vorstellungen davon, was gut für das Kind ist.
1Selbstreflexion: Liegt es an mir, an der Situation oder an einer echten Rollenüberschreitung?
2Direktes Gespräch: konkret, sachlich, ohne Vorwurf – „Ich beobachte, dass …“
3Schulleitung einbeziehen: wenn das Gespräch nicht reicht – als Unterstützung, nicht als Eskalation.
4Träger informieren: wenn die Zusammenarbeit strukturell nicht funktioniert. Das ist Fachlichkeit, kein Scheitern.
→ LK-08 · Wenn es zwischen uns nicht stimmt
Fallbeispiel
Du erfährst von der Mutter, dass die Schulbegleitung ihr nach der Schule erzählt hat, das Kind bekomme in Deutsch „wohl eine Fünf“.
Was ist der passende erste Schritt?
Reflexion
Denk an eine Spannung in der Zusammenarbeit (auch aus der Vergangenheit). Auf welcher Stufe hättest du ansetzen können – und mit welchem ersten Satz?

📥 Material zum Kurs

📋Checkliste Erstgespräch & die ersten vier Wochen (LK-06)🤝Aufgabenteilung Lehrkraft – Schulbegleitung (LK-01)⚖️Zuständigkeiten & Rechtliches in 5 Minuten (LK-10)🌡️Das Barometer im Unterricht (LK-02)⚡Stufenplan bei Spannungen (LK-08)

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