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KLARTEXT Mentoring-System

Ratgeber für Eltern

Zum schnellen Nachschlagen, nicht zum Durcharbeiten: alles, was du über die Schulbegleitung deines Kindes wissen müssen — klar erklärt, mit praktischen Tipps für zuhause.

In einfacher Sprache
dein Kind bekommt Hilfe in der Schule. Diese Hilfe heißt INGRA. Auf dieser Seite erklären wir dir: Was macht INGRA? Wie kannst du zuhause helfen? Was sind deine Rechte?
8 Kapitel
Einfache Sprache
Tipps für zuhause
Druckbar
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Was ist INGRA?
Rolle · Aufgaben · Was INGRA nicht ist
In einfacher Sprache
INGRA ist eine Person die dein Kind in der Schule begleitet. INGRA hilft deinem Kind wenn es schwierig wird. INGRA ist kein Lehrer. INGRA unterrichtet nicht. INGRA ist eine Begleitung.

Was INGRA in der Schule macht

INGRA — die Schulbegleitperson — ist speziell für dein Kind da. Die Begleitung wird vom Kostenträger (Jugendamt oder Sozialamt) bewilligt und erfolgt auf Grundlage des Hilfeplans. INGRA ist den ganzen Schultag oder in Teilen davon bei deinem Kind.

  • INGRA begleitet dein Kind im Schulalltag
  • INGRA hilft bei der Regulation wenn es emotional schwierig wird
  • INGRA beobachtet und dokumentiert was passiert
  • INGRA arbeitet eng mit der Lehrkraft und der Teamkoordination zusammen
  • INGRA schützt dein Kind in Krisenmomenten

Was INGRA nicht macht — und warum das wichtig ist

Die klare Rollenabgrenzung schützt dein Kind, INGRA und euch als Familie. INGRA ist keine Therapeutin, keine Lehrerin und kein Elternersatz.

  • INGRA unterrichtet nicht — das ist die Aufgabe der Lehrkraft
  • INGRA macht keine Hausbesuche — außer es ist ausdrücklich im Hilfeplan festgelegt
  • INGRA gibt keine Therapie — bei therapeutischem Bedarf gibt es Fachpersonen dafür
  • INGRA trifft keine eigenständigen Entscheidungen über Förderung oder Schulorganisation
  • INGRA ist außerhalb der Schulzeit nicht erreichbar — das ist dein Schutz und der von INGRA
💡
Guter erster Schritt: Sprich mit INGRA über die Aufgaben und Ziele. Frag: "Was sind deine Schwerpunkte bei meinem Kind?" Ein guter Start für die Zusammenarbeit ist ein kurzes Kennenlern-Gespräch — gerne mit der Teamkoordination dabei.
→ Karte EL-01 · Was ist INGRA?
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Das Barometer — für zuhause
Den inneren Zustand sichtbar machen · 5 Farben
In einfacher Sprache
Das Barometer zeigt wie es deinem Kind gerade geht. Es gibt 5 Farben. Grün heißt: alles gut. Gelb heißt: ein bisschen schwierig. Orange heißt: es braucht Hilfe. Rot heißt: Notfall. Grau heißt: sehr erschöpft. Du kannst das Barometer auch zuhause nutzen.

Die fünf Barometer-Farben

Das Barometer ist das zentrale Werkzeug von KLARTEXT. Es zeigt den inneren Zustand deines Kindes — ohne Worte. Kinder die keine Worte für ihre Gefühle haben, können einfach auf eine Farbe zeigen.

Grün — alles gut, bereit zum Lernen
Gelb — leicht angespannt, kleine Hilfe nötig
Orange — deutlich angespannt, Pause nötig
Rot — Krise, braucht sofort Hilfe
Grau — erschöpft, leer, braucht Ruhe

Das Barometer zuhause nutzen

Du kannst das Barometer auch zuhause einführen — als gemeinsame Sprache zwischen dir und deinem Kind. Das erleichtert die Kommunikation und gibt deinem Kind ein Werkzeug das es auch in der Schule kennt.

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Barometer ausdrucken und sichtbar aufhängen — z.B. am Kühlschrank
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Täglich fragen: "Welche Farbe bist du gerade?" — ohne Druck, ohne Bewertung
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Auf die Farbe reagieren — bei Grün normal weiter, bei Orange oder Rot: Ruhe und Nähe, keine Forderungen
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Abends fragen: "Mit welcher Farbe gehst du ins Bett?" — das hilft beim Einschlafen
⚠️
Wenn dein Kind Rot oder Grau zeigt: Keine Anforderungen, keine Diskussionen, kein Nachfragen warum. Einfach da sein, ruhige Stimme, körperliche Nähe anbieten wenn das Kind das möchte. Gespräche kommen später — wenn die Farbe wieder Gelb oder Grün ist.
→ Karte EL-02 · Das Barometer für zuhause
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Übergänge begleiten
Morgens · Abends · Schulwechsel · Ferien
In einfacher Sprache
Übergänge sind schwierig für viele Kinder. Ein Übergang ist: von zuhause in die Schule. Oder: von der Schule nach hause. Oder: nach den Ferien wieder in die Schule. Diese Wechsel kosten Kraft. Mit Ritualen wird es leichter.

Warum Übergänge so herausfordernd sind

Für Kinder mit besonderem Förderbedarf sind Wechsel zwischen verschiedenen Situationen oft besonders anspruchsvoll. Das Gehirn braucht Zeit sich umzustellen — von sicher zu unbekannt, von zuhause zu Schule, von Ferien zu Alltag. Diese Wechsel kosten viel Energie.

Was hilft: Vorhersehbarkeit und Rituale. Wenn ein Kind weiß was als nächstes kommt, muss es die Energie nicht für Unsicherheit aufwenden.

Morgens — der Start in den Tag

  • Immer gleiche Reihenfolge beim Aufstehen, Frühstück, Anziehen
  • Genug Zeit — Stress am Morgen setzt den ganzen Tag unter Druck
  • Kurze Ankündigung bevor es losgeht: "In 10 Minuten gehen wir"
  • Barometer-Check beim Frühstück — wie startet dein Kind in den Tag?
  • Kein großes Gespräch am Morgen — kurz, klar, positiv
  • Abschiedsritual — immer gleich: Kuss, Faustvuppe, Wort

Abends — ankommen und loslassen

  • Ankommen lassen — erst 15-20 Minuten Ruhe, dann Gespräch
  • Nicht sofort fragen "Wie war die Schule?" — das setzt Druck
  • Besser: "Was war heute dein bester Moment?" oder einfach gemeinsam sein
  • Barometer-Check: Mit welcher Farbe kommt dein Kind heim?
  • Abendritual — immer gleich, gibt Sicherheit

Schulwechsel und lange Ferien

Große Übergänge wie Schulwechsel oder Ferienstart brauchen besondere Vorbereitung. Sprich frühzeitig mit INGRA und der Teamkoordination — gemeinsame Planung macht den Wechsel leichter.

  • Schulwechsel lange vorher ankündigen und visualisieren
  • Neue Schule vorher besuchen wenn möglich
  • Nach den Ferien: ersten Schultag besonders vorbereiten
  • INGRA informiert euch was das Kind in der Schule erwartet
💡
Tipp: Sprich mit INGRA was morgens in der Schule das erste Ritual ist. Wenn das Abschiedsritual zuhause und das Ankommen-Ritual in der Schule zusammenpassen, wird der Übergang viel leichter.
→ Karte EL-03 · Übergänge begleiten
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Im Notfall — wer, was, wann
Kontakte · Ablauf · Zuständigkeiten
In einfacher Sprache
Wenn etwas Schlimmes passiert: Ruf die Schule an. Oder die Teamkoordination. Hier auf dieser Seite kannst du deine Notfallkontakte eintragen. Dann hast du alles an einem Ort.

Wer ist wofür zuständig?

Im Schulbegleitungssystem gibt es klare Zuständigkeiten. Es ist wichtig, dass du weißt, wen du wann anrufen.

  • Bei Krankheit deines Kindes: Schule anrufen + INGRA oder TK informieren
  • Bei schulischen Problemen: Zuerst Lehrkraft, dann TK
  • Bei Problemen mit der Begleitung: Teamkoordination (TK)
  • Bei akuter Krise in der Schule: Schule ruft dich an — nicht umgekehrt
  • Bei Kindeswohlgefährdung: Jugendamt · Notruf 110 oder 112

Deine persönlichen Notfallkontakte

Trag hier deine wichtigsten Kontakte ein — dann hast du alles auf einen Blick. Du kannst diese Seite ausdrucken.

INGRA
Name der Schulbegleitung
Teamkoordination (TK)
Deine Ansprechperson
Schule
Sekretariat / Lehrkraft
Kostenträger
Jugendamt / Sozialamt
⚠️
Wichtig: INGRA ist außerhalb der Schulzeit nicht erreichbar — das ist bewusst so. Bei Notfällen außerhalb der Schulzeit: Hausarzt, Kinder- und Jugendpsychiatrischer Notfalldienst, oder bei akuter Gefahr Notruf 112.
→ Karte EL-04 · Notfallkontakte & Ablauf
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Meine Rechte als Elternteil
Hilfeplan · Mitsprache · Datenschutz · Kostenträger
In einfacher Sprache
Du hast Rechte. Du darfst fragen. Du darfst mitreden. Der Hilfeplan gehört auch dir. Du darfst jederzeit um ein Gespräch bitten. Niemand darf dir etwas über dein Kind verheimlichen.

Der Hilfeplan — Dein zentrales Dokument

Der Hilfeplan ist die rechtliche Grundlage für die Schulbegleitung deines Kindes. Er wird gemeinsam mit dir, deinem Kind (wenn möglich), der Schule und dem Kostenträger erstellt.

  • Du hast das Recht auf Einsicht in den Hilfeplan
  • Du hast das Recht auf Mitsprache bei der Planung
  • Der Hilfeplan wird regelmäßig überprüft — mindestens einmal im Jahr
  • Du kannst jederzeit ein Hilfeplangespräch beantragen
  • Wenn du mit dem Hilfeplan nicht einverstanden bist: Du musst nicht unterschreiben

Deine Rechte im Überblick

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Informationsrecht: Du hast das Recht, regelmäßig informiert zu werden wie es deinem Kind geht
✓
Mitspracherecht: Deine Wünsche und Beobachtungen zählen — bring sie ein
✓
Beschwederecht: Wenn du unzufrieden bist, kannst du dich an die TK, den Träger oder den Kostenträger wenden
✓
Datenschutzrecht: Alle Informationen über dein Kind sind geschützt — niemand darf sie ohne deine Einwilligung weitergeben
✓
Recht auf Verlängerung: Die Schulbegleitung kann verlängert werden wenn weiterhin Bedarf besteht — beantrage das rechtzeitig

Gut vorbereitet zum Hilfeplangespräch

Hilfeplangespräche können einschüchternd wirken wenn viele Fachleute am Tisch sitzen. Diese Vorbereitung hilft:

  • Notiere vorher: Was läuft gut? Was ist schwierig?
  • Was wünschst du dir für dein Kind — konkret?
  • Gibt es Beobachtungen von zuhause die wichtig sind?
  • Nimm dir das Recht heraus nachzufragen, wenn du etwas nicht verstehen
  • Du darfst eine Vertrauensperson mitbringen
💡
Wichtige Frist: Beantrage die Verlängerung der Schulbegleitung mindestens 6-8 Wochen vor Ablauf. Sprich die TK früh an — Behördenprozesse brauchen Zeit.
→ Karte EL-05 · Meine Rechte als Elternteil
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Tipps für zuhause
Konkrete Alltagshilfen · Routinen · Kommunikation
In einfacher Sprache
Was in der Schule hilft, hilft oft auch zuhause. Struktur und Rituale sind wichtig. Klare Regeln helfen. Lob für kleine Dinge ist wichtig. Pausen sind erlaubt. Und: Auch du darfst Hilfe annehmen.

Struktur und Vorhersehbarkeit

Kinder mit besonderem Förderbedarf brauchen Struktur nicht weil sie weniger intelligent sind — sondern weil ihr Nervensystem Vorhersehbarkeit als Sicherheit erlebt. Struktur reduziert Angst und gibt Energie frei für Lernen und Spielen.

  • Tagesplan: Immer ähnliche Abläufe — morgens, mittags, abends
  • Bildkarten für den Ablauf — was kommt nach dem Mittagessen?
  • Änderungen ankündigen — "Heute machen wir ausnahmsweise ..."
  • Wenige klare Regeln — lieber drei die gelten als zehn die niemand kennt
  • Konsequent und liebevoll — Konsequenz ist Fürsorge

Kommunikation die hilft

  • Kurze Sätze: "Bitte Jacke an" statt "Wie oft soll ich noch sagen dass du..."
  • Konkret: "Bitte räume die Schuhe in das Regal" statt "Sei ordentlich"
  • Vorher warnen: "In 5 Minuten ist Schluss mit Spielen"
  • Lob sofort: Was gut war, benennen — konkret und ehrlich
  • Keine Ironie: Viele Kinder verstehen Ironie wörtlich — besser direkt sprechen
  • Ruhige Stimme: Lautstärke erhöht Stress — deine Ruhe überträgt sich

Hausaufgaben — wenn es schwierig wird

  • Feste Zeit — immer zur selben Zeit, nach einer Pause
  • Ruhiger Platz — kein Fernseher, kein Handy in der Nähe
  • Kleine Einheiten: 15 Minuten arbeiten, 5 Minuten Pause
  • Nicht überhelfen — bei Frust kurz Pause, dann weiter versuchen
  • Wenn es gar nicht geht: Abbrechen und INGRA oder Lehrkraft informieren
  • Wichtig: Hausaufgaben sind nicht das Wichtigste des Abends

Selbstfürsorge für dich als Elternteil

Du kannst dein Kind nur gut begleiten, wenn es dir selbst gut geht. Das ist kein Luxus — das ist Voraussetzung. Eltern von Kindern mit besonderem Förderbedarf tragen besonders viel. Das darf anerkannt werden.

  • Hol dir Unterstützung — du musst das nicht alleine tragen
  • Eltern-Beratung — die Teamkoordination kann Anlaufstellen empfehlen
  • Austausch mit anderen Eltern — Du bist nicht allein
  • Eigene Auszeiten — ohne Schuldgefühle
  • Fehler dürfen passieren — kein Elternteil ist perfekt
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Der wichtigste Tipp: Sprich offen mit INGRA und der Teamkoordination. Was zuhause schwierig ist, kann in der Schule aufgegriffen werden — und umgekehrt. Je besser die Informationen fließen, desto besser geht es deinem Kind.
→ Karte EL-06 · Tipps für zuhause → Karte EL-07 · Meine INGRA — Fragen und Antworten
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Der Joker — für zuhause
Ein persönliches Signal · ohne Worte um Hilfe bitten
In einfacher Sprache
Der Joker ist ein Zeichen, das dein Kind selbst aussucht. Wenn es das Zeichen zeigt, heißt das: „Ich brauche gerade Hilfe." Dein Kind muss dann nichts erklären.

So nutzt du den Joker

1
In einem ruhigen Moment vereinbaren — nicht mitten im Streit
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Dein Kind wählt das Signal: eine Geste, ein Wort, eine Karte oder ein kleiner Gegenstand
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Sofort und ruhig reagieren — ohne „Warum?" und ohne Bewertung
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Später sprechen, wenn dein Kind wieder ruhiger ist
→ Karte EL-09 · Der Joker für zuhause
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🛡️
Wenn dein Kind gemobbt wird
Erkennen · Gespräch · Aufschreiben · Mit der Schule sprechen
In einfacher Sprache
Mobbing ist mehr als ein Streit. Es passiert immer wieder, und dein Kind kann sich allein nicht wehren. Du bist nicht schuld, und dein Kind ist nicht schuld. Es gibt klare Schritte, die du gehen kannst.

Woran du Mobbing erkennst

1
Es wiederholt sich — nicht einmal, sondern immer wieder
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Es gibt ein Machtgefälle — dein Kind kann sich allein nicht schützen
3
Es ist gezielt — es richtet sich absichtlich gegen dein Kind
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Das erste Gespräch: Hör zu, ohne zu unterbrechen. Sag: „Danke, dass du es mir sagst. Du bist nicht schuld. Wir finden zusammen einen Weg." Schreib auf, was du beobachtest, und sprich dann mit der Schule.
→ Karte EL-08 · Mobbing: Was kannst du als Elternteil tun?
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Du bist nicht allein
Das KLARTEXT-System ist dafür da, dir und deinem Kind den Schulalltag zu erleichtern. Jede Frage ist erlaubt. Jede Sorge darf geäußert werden. Wir sind ein Team.
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