LK-Serie · Für Lehrkräfte
Häufige Diagnosen —
was bedeutet das für mich?
ADHS · Autismus · ESE · Lernen · Körperlich
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Keine Diagnose ist ein Rezept für Unterricht — aber Grundwissen hilft, Verhalten zu verstehen statt es zu bewerten. Diese Karte ist eine erste Orientierung, kein Fachgutachten.

ADHS
Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität. Kein böser Wille — Selbststeuerung ist neurobiologisch erschwert.
Autismus-Spektrum
Soziale Kommunikation und sensorische Verarbeitung anders. Routinen und Vorhersehbarkeit sind Sicherheit.
Emot. & soziale Entw.
Starke Gefühle, schwache Regulierung — oft mit Trauma-Hintergrund. Beziehung vor Leistung.
Lernen
Kognitive Verarbeitung verlangsamt oder punktuell eingeschränkt. Kleinschrittigkeit und Erfolgserlebnisse helfen.
Körper & Motorik
Körperliche Einschränkungen, Hilfsmittel, Pflege. INGRA kennt den Umgang — mich einweisen lassen.
Sprache
Sprachverständnis und/oder -produktion eingeschränkt. Langsam sprechen, visualisieren, bestätigen lassen.
Wichtige Abgrenzung Ich stelle keine Diagnosen und ziehe aus einer Diagnose keine starren Schlüsse. Zwei Kinder mit derselben Diagnose können im Unterricht völlig unterschiedliche Bedarfe haben.
Weiterführend im KLARTEXT-System M2-08 ADHS · M2-09 Autismus · M2-10 Emotionale Entwicklung · M2-29 Entwicklungsverzögerungen

Wie sicher fühle ich mich im Umgang mit Diagnosen?
Sehr sicherUnsicher
LK-Serie · Für Lehrkräfte
Rechtliche Grundlagen
in 5 Minuten
Wer bewilligt · Wer zahlt · Wer ist zuständig
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Schulbegleitung ist eine Rechtsleistung — kein Goodwill der Schule. Wer die Strukturen kennt, kann Elternfragen klar beantworten und sich sauber abgrenzen.

1
Eltern beantragen Schulbegleitung beim Jugendamt (SGB VIII § 35a: seelische Behinderung) oder Sozialamt (SGB IX: körperliche/geistige Behinderung).Ich bin daran nicht beteiligt.
2
Kostenträger bewilligt Stunden und erstellt einen Hilfeplan.Stundenzahl, Verlängerung, Änderung — alles beim Kostenträger, nicht bei mir.
3
Träger stellt INGRA ein und entsendet sie in die Schule.Die INGRA ist Mitarbeiterin des Trägers — nicht der Schule, nicht von mir weisungsgebunden.
4
Schule / Lehrkraft kooperiert pädagogisch — ohne Arbeitgeberrolle für die INGRA.Ich kann Absprachen einfordern, aber keine Anweisungen erteilen.
Meine Zuständigkeit
  • Unterricht & Lernziele
  • Klassenführung
  • Aufsichtspflicht
  • Pädagogische Kooperation
  • Elterngespräche zu Schule
Nicht meine Zuständigkeit
  • Stundenbewilligung
  • INGRA-Personalfragen
  • Hilfeplangespräche
  • Trägerkommunikation
  • Kostenfragen
Rechtliche Grundlagen SGB VIII § 35a (seelische Behinderung) · SGB IX § 90 ff. (Eingliederungshilfe) · UN-BRK Art. 24 (Inklusion) · AO-SF NRW (Feststellung Förderbedarf)
Häufiges Missverständnis Eltern richten Fragen zur Schulbegleitung oft an die Lehrkraft. Klare Antwort: „Das liegt beim Träger bzw. Jugendamt — ich gebe Ihnen gern den Kontakt."

Wie sicher bin ich in rechtlichen Fragen?
Sehr sicherUnsicher
LK-Serie · Für Lehrkräfte
Sexuelle & häusliche
Gewalt erkennen
Wahrnehmen · Dokumentieren · Richtig handeln
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Lehrkräfte verbringen täglich Zeit mit Kindern — und sehen Signale, die andere nicht sehen. Ich muss keine Diagnose stellen. Ich muss wahrnehmen, dokumentieren und weitergeben.

1
Ruhig bleiben — keine Erschrockenheit zeigen. Das signalisiert: Es ist richtig, dass du sprichst.Nicht unterbrechen, nicht nachfragen, nicht werten.
2
Zuhören, nicht nachbohren — „Ich höre dir zu. Du hast nichts falsch gemacht."Keine Leitfragen: „Hat dich jemand angefasst?" — das kann Aussagen unbrauchbar machen.
3
Sofort dokumentieren — wörtliche Aussagen des Kindes in Anführungszeichen, Datum, Uhrzeit, Kontext.Keine Interpretationen, keine Täternennungen.
4
Schulleitung & Kinderschutzfachkraft (§ 8a) noch am selben Tag informieren.Nicht warten. Nicht allein entscheiden. Nicht die Eltern zuerst ansprechen.
Was ich nie tun darf Dem Kind versprechen: „Ich behalte das für mich." · Eltern ansprechen, bevor die Schulleitung informiert ist (Täter können im Haushalt sein). · Allein handeln ohne Kinderschutzfachkraft.
Rechtlicher Rahmen § 8a SGB VIII: Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung. Lehrkräfte sind zur Weitergabe verpflichtet — Schweigepflicht tritt zurück. Anonymisierte Beratung beim Jugendamt jederzeit möglich.

Wie sicher fühle ich mich in dieser Situation?
Sehr sicherUnsicher
LK-Serie · Für Lehrkräfte
Trauma erkennen
und damit umgehen
Verstehen · Stabilisieren · Nicht retraumatisieren
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Traumatisierte Kinder verhalten sich manchmal so, als würden sie absichtlich stören. Meistens kämpft ihr Nervensystem um Überleben. Diese Karte hilft mir, den Unterschied zu erkennen.

Definition Trauma ist eine überwältigende Erfahrung, die das Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft versetzt — auch wenn die Gefahr längst vorbei ist. Das Kind reagiert nicht auf die Gegenwart, sondern auf eine gespeicherte Bedrohung.
Mit INGRA koordinieren Die INGRA kennt oft die Auslöser (Trigger) des Kindes. Ich frage: „Was sollte ich wissen? Was hilft, wenn es eskaliert?" — und halte das fest.
Weiterführend M2-05 Trauma-Basics · M2-30 Bindungsstörungen · M2-31 Bindungstrauma Pflegekinder

Wie sicher fühle ich mich mit traumatisierten Kindern?
Sehr sicherUnsicher
LK-Serie · Für Lehrkräfte
DAZ & Einfache Sprache
im Unterricht
Verständlich sprechen · Teilhabe ermöglichen · Alle mitnehmen
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DAZ-Prinzipien helfen nicht nur Kindern mit Migrationshintergrund — sie helfen Kindern mit ADHS, Verarbeitungsschwäche, Trauma und Förderbedarf Lernen. Gute DAZ-Sprache ist guter Unterricht.

Vermeiden
  • Ironie & Redewendungen
  • Doppelte Verneinungen
  • Indirekte Aufforderungen
  • Lange Satzgefüge
  • Lautes Korrigieren
Besser so
  • Direkte Aussagen
  • „Ich möchte, dass …"
  • Konkrete Handlungen
  • Hauptsätze
  • Leise, sachliche Korrektur
INGRA als DAZ-Partner Die INGRA kann Aufgaben in einfacher Sprache parallel erklären — wenn wir das vorher absprechen. 5 Minuten Vorbereitung vor der Stunde machen den Unterschied.
Weiterführend M4-04 DAZ-freundliche Sprache (INGRA-Perspektive) · M4-03 Klarheit und Kürze

Wie konsequent nutze ich DAZ-Prinzipien?
ImmerSelten
LK-Serie · Für Lehrkräfte
Migration — Hintergründe
verstehen & handeln
Kontext kennen · Ressourcen sehen · Brücken bauen
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Kinder mit Migrationsgeschichte bringen unterschiedliche Erfahrungen mit — Stärken und Belastungen. Diese Karte hilft, Verhalten zu kontextualisieren statt zu pathologisieren.

Ressourcen
  • Resilienz & Anpassungsfähigkeit
  • Mehrsprachigkeit
  • Familienzusammenhalt
  • Lebensklugheit & Pragmatismus
  • Kulturelle Vielfalt
Mögliche Belastungen
  • Traumatische Erlebnisse
  • Unsicherer Aufenthaltsstatus
  • Sprachbarriere
  • Unterbrochene Bildungsbiografie
  • Beengter Wohnraum
Grundhaltung Migration ist kein Defizit — sie ist eine Erfahrung. Mein Blick auf das Kind entscheidet, ob es sich gesehen oder beschriftet fühlt.

Wie sicher fühle ich mich im Umgang mit Migrationsthemen?
Sehr sicherUnsicher
LK-Serie · Für Lehrkräfte
ADHS & Ausbildungsreife —
was Sie wissen sollten
Übergang Schule → Beruf · KAoA · Stärken sehen
🎓

Jugendliche mit ADHS sind ausbildungsreif — aber oft nicht auf dem Weg, den das Notenbild zeigt. Die Hirnreifung verläuft bei ADHS mit einer Verzögerung von etwa 3 Jahren (Shaw et al., 2007): Was wie Unreife aussieht, ist oft ein Entwicklungsabstand, der sich schließt.

📋 Vergessen
Aufgaben, Materialien, Termine — obwohl das Kind es „weiß". Kein Desinteresse — Arbeitsgedächtnis neurobiologisch eingeschränkt.
🔀 Ungleichmäßig
Manchmal stundenlang konzentriert — dann plötzlich gar nicht. Hyperfokus bei Interesse ist eine Stärke, kein Widerspruch.
📄 Bewerbungen
Unterlagen kommen spät oder unvollständig. Zeitplanung und Aufgabeninitiierung sind Exekutivfunktionen — die brauchen externe Struktur.
😶 Wirkt unmotiviert
Ist es aber oft nicht. Der Antrieb fehlt für Aufgaben ohne unmittelbare Bedeutung — nicht für alles.
1
Stärken benennen — nicht nur Defizite dokumentieren. Welche Fähigkeit hat dieses Kind, die kein Zeugnis zeigt? Benennen Sie es laut — im Gespräch, in Zeugniskommentaren, gegenüber Ausbildungsbetrieben.Hyperfokus · kreatives Problemlösen · hohe Energie bei sinnhaften Aufgaben
2
Struktur anbieten — Bewerbungsschritte visualisieren, Deadlines in Teilschritte zerlegen, Erinnerungssysteme gemeinsam aufbauen.Nicht: mahnend erinnern. Sondern: ein System bauen.
3
Systeme kennen und nutzen — KAoA-STAR (NRW) für Jugendliche mit Förderbedarf, Berufsberatung der BA frühzeitig einschalten, Reha-Beratung bei anerkannter Behinderung.Die INGRA koordiniert — sprechen Sie sie an.
Merksatz Kein böser Wille — Selbststeuerung neurobiologisch noch in Entwicklung. Sprechen Sie mit der Schulbegleitung (INGRA): Sie kennt das Kind von innen.
Das KLAR-Modell — wenn das Kind nicht erreichbar ist Bei Orange, Rot oder Grau: K = Kontakt & körperliche Sicherheit · L = Leise & Langsam · A = Anerkennung & Atmen · R = Reizreduktion & Rückzug. Bei Grau (totale Erschöpfung): kein Gespräch, keine Aufgaben — einfach ruhig da sein.
Quellen Shaw et al. (2007) PNAS 104 · Barkley (2012) Executive Functions · KAoA / MAGS NRW (2024) · BBiG § 65

Wie sicher fühle ich mich beim Thema ADHS & Übergang?
Sehr sicherGrau: erschöpft
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