Rechtlicher & formaler Rahmen
Bewerbungscoaching bewegt sich nicht im rechtsfreien Raum. Die folgenden Punkte sind eine fachliche Orientierung, keine Rechtsberatung — bei konkreten Einzelfällen (z. B. Umgang mit einer Diagnose im Lebenslauf) gilt: im Zweifel Rücksprache mit der Eingliederungshilfe-Fachstelle oder der rechtlichen Beratung des Trägers, nicht aus eigener Einschätzung entscheiden.
- SGB IX (Teil 2) & Eingliederungshilfe: Seit dem Bundesteilhabegesetz liegt die Eingliederungshilfe im SGB IX — Grundlage ist das Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben. Coaching-Ziele sollten mit dem individuellen Hilfeplan der/des Klient:in korrespondieren, nicht parallel dazu laufen.
- Datenschutz (DSGVO): Sensible Daten — etwa eine Diagnose, die im Lebenslauf auftauchen könnte — unterliegen besonderer Sorgfaltspflicht. Leite grundsätzlich zur Datensparsamkeit an: nur das in die Bewerbung, was für die konkrete Stelle relevant ist.
- DIN 5008 (Form B): Der Standard für Geschäftsbriefe. Der
KLARTEXT_Bewerbungs_Generator.html setzt Adressfeld-Position, Falzmarken und Lochmarke automatisiert nach dieser Norm um — Klient:innen müssen die Maße nicht selbst kennen, aber du solltest wissen, dass sie technisch korrekt hinterlegt sind, falls die Frage kommt.
Die systemische Haltung im Coaching
Bewerbungscoaching im KLARTEXT-Sinne ist keine reine Schreibhilfe, sondern Ressourcenarbeit:
- Neutralität & Allparteilichkeit: Brüche im Lebenslauf werden nicht bewertet, sondern als Lernphasen eingeordnet — vgl. die Grundhaltung in
M2-42_ADHS_Ausbildungsreife.html zu Zwischenschritten wie Berufskolleg oder BVJ.
- Lösungsorientierung: Statt „Was fehlt dir für den Job?" fragst du „Welche Fähigkeit aus deinem Alltag hilft dir in diesem Betrieb?" — die Skill-Matrix liefert dafür das Werkzeug, nicht die fertige Antwort.
Methodischer Workflow: die Tool-Kette
Die drei Phasen bauen aufeinander auf und fördern Selbstwirksamkeit (vgl. M2-13_Selbstwirksamkeit.html):
① Selbsterkenntnis→
② Dokumentenerstellung→
③ Training & Simulation
- ① Selbsterkenntnis — JD-3 „Meine Stärken sehen" und JD-27 „Was mir wichtig ist" (
pwa/index.html?deck=jd) zur inneren Klärung, danach der Hobby-Check in der KLARTEXT_Spiel_SkillMatrix.html, der Cluster wie „Team-Power" oder „Fokus-Champion" sichtbar macht.
- ② Dokumentenerstellung — im
KLARTEXT_Bewerbungs_Generator.html überführt der Zauberstab die Hobbys automatisch in Bewerbungssprache. Für Klient:innen mit Vermittlungshemmnissen eignet sich Muster B (ressourcenorientiert) als Ausgangspunkt statt Muster A.
- ③ Training & Simulation —
KLARTEXT_Spiel_Bewerbungsgespraech.html (im Gespräch mit Klient:innen auch informell als „Bewerbungs-Simulator" ansprechbar) für praktisches Üben unter Beobachtung der eigenen Stresssignale. Landet die Nervosität im gelben Bereich, greift das kLAR-Modell.
Umgang mit Vermittlungshemmnissen
- Neurodivergenz: Nutze das Wissen aus
M2-42_ADHS_Ausbildungsreife.html, um spezifische Bedürfnisse (z. B. Reizreduktion am Arbeitsplatz) schon vor dem Vorstellungsgespräch zu klären — nicht erst, wenn es zum Problem wird.
- Prüfungsangst vor dem Gespräch: Karte JD-17 „Vor der Prüfung: was hilft wirklich?" liefert Akut-Strategien.
Dokumentation für Kostenträger
Der KLARTEXT_Ressourcenbericht.html fasst Fortschritte in der Stärkenentwicklung wertfrei zusammen — geeignet, um gegenüber Ämtern oder Trägern zu dokumentieren, ohne dabei zu bewerten oder zu diagnostizieren.
Checkliste: Erstgespräch mit dem Arbeitgeber (Netzwerkarbeit)
Für den Moment, in dem du als Jobcoach den Betrieb als Partner gewinnst — nicht nur vermittelst, sondern den Übergang durch Struktur absicherst.
1. Vorbereitung — Haltung & Material
- Haltungs-Check: Bin ich in der Rolle des Vermittlers (allparteilich) und fokussiert auf eine Win-Win-Situation?
- Unterlagen-Paket: Liegen Lebenslauf und Anschreiben bereit (DIN-5008-konform aus dem
KLARTEXT_Bewerbungs_Generator.html)?
- Ressourcen-Fokus: Habe ich die 3 stärksten Cluster aus der Skill-Matrix des/der Klient:in im Kopf (z. B. „Fokus-Champion"), um sie als Argumente zu nutzen?
2. Einstieg
- Rahmen klären: Ziel des Gesprächs und Zeitrahmen kurz benennen.
- Methodik vorstellen: kurz erklären, dass Struktur und Regulationstools (z. B. der Wochenplan) den Übergang nachhaltig absichern — ohne interne Produktnamen vorauszusetzen, die der/dem Arbeitgeber nichts sagen.
3. Bedarfsanalyse — lösungsorientierte Fragen
- Anforderungsprofil: Was sind die „echten" Anforderungen im Alltag — nicht nur, was in der Stellenbeschreibung steht?
- Ressourcen-Matching: Welche Stärken aus dem Hobby-Check passen exakt zu diesen Aufgaben?
- Umfeld-Check: Wie sieht das Reizumfeld aus? Wichtig bei ADHS oder Tics.
4. Transparenz & Sicherheit — Umgang mit Hemmnissen
- Thematisierung: Unterstützungsbedarf (z. B. aus M2-42 zu ADHS & Ausbildungsreife) wertfrei und kompetenzorientiert ansprechen.
- Tool-Angebot: den Reizfilter und den individuell vereinbarten Joker (ein persönliches Signal, keine Kartenauswahl — siehe
M3-Joker.html) als Sicherheitsnetz für den Betrieb vorschlagen, um Abbrüche zu vermeiden.
5. Abschluss & Vereinbarungen
- Nächster Schritt: Probetag oder Kennenlern-Gespräch mit dem/der Klient:in vereinbaren.
- Dokumentation: auf den Ressourcen-Bericht hinweisen, den der Betrieb nach einer Testphase erhalten kann, um Fortschritte schwarz auf weiß zu sehen.
Tipp für schwierige Fragen des Arbeitgebers
Zuhören → Bedenken validieren → Ressourcen des/der Klient:in konkret benennen → passendes Tool als Lösung vorschlagen → Vereinbarung treffen. Diese 5-Schritte-Logik ist keinem einzelnen Modul entnommen, sondern eine für dieses Gespräch zugeschnittene Anwendung der gleichen lösungsorientierten Haltung, die auch das kLAR-Modell trägt.
Warum dieses Kapitel zählt
Formale Korrektheit (DIN 5008) ist die Hülle. Der eigentliche Kern der Vermittlung ist die systemische Ressourcenaktivierung über die Skill-Matrix — das macht aus einer „Bewerbungshilfe" eine Coaching-Methode.