Wichtig: Ein Meltdown ist KEIN Wutanfall und KEIN manipulatives Verhalten. Das Gehirn ist in einem echten neurologischen Notstand — das Kind kann nicht anders. Bestrafung, Erklärungen oder Forderungen in diesem Moment sind wirkungslos und schaden.
Was ist ein Meltdown?
- Totaler Kontrollverlust durch sensorische oder emotionale Überlastung — häufig bei Autismus, aber nicht nur
- Das Nervensystem ist vollständig überwältigt — kein "Können" mehr möglich
- Kann sich zeigen als: Schreien, Weinen, Zittern, Schlagen, Beißen, Zusammenbrechen, Erstarren
- Unterschied zu Wutanfall: kein Ziel, keine Kontrolle, keine Publikum-Orientierung
- Dauer: Minuten bis Stunden — lässt sich nicht abkürzen, nur begleiten
Sofort — in den ersten 60 Sekunden
1
Sicherheit herstellen — andere Kinder aus dem Bereich bringen, gefährliche Gegenstände entfernen
2
Reize reduzieren — Licht dimmen, Lärm minimieren, Menschenmenge auflösen
3
Abstand geben — nicht anfassen, nicht festhalten (außer bei akuter Verletzungsgefahr)
4
Ruhig bleiben — eigene Regulation zuerst. Dein Nervensystem reguliert das Kind mit
Während des Meltdowns
- Niedrige ruhige Stimme — maximal 3–4 Worte: "Ich bin da." — "Du bist sicher."
- Keine Fragen, keine Erklärungen, keine Konsequenzen ankündigen
- Wenn das Kind sich selbst berührt/schaukelt — nicht stoppen, das ist Selbstregulation
- Bei Fluchtversuch: ruhig begleiten, nicht aufhalten — außer Gefahr
- Lehrkraft informieren: kurzes Signal reicht — "Meltdown, brauche Zeit"
🚫 Nie: anfassen ohne Erlaubnis · erklären · bestrafen · "Beruhig dich" sagen · Blickkontakt erzwingen · in der Situation Konsequenzen ankündigen
Nach dem Meltdown — Recovery-Phase
- Das Kind ist erschöpft — physisch und emotional. Das ist normal.
- Stille und Rückzug ermöglichen — kein direkter Wiedereinstieg in den Unterricht
- Kein Nachbesprechen in den ersten 30–60 Minuten
- Wenn das Kind von sich aus Kontakt sucht: kurz, warm, ohne Bewertung
- Dokumentieren: Auslöser, Dauer, Verlauf, was geholfen hat
- TK informieren — noch am selben Tag
⚠️ Die Recovery-Phase kann länger dauern als der Meltdown selbst. Kein Druck — das Kind entscheidet wann es wieder kann.
Prävention — Auslöser kennen
- Sensorische Überlastung: Lärm, Licht, Gerüche, Berührungen, Temperaturen
- Routinebrüche: Stundenplanänderung, Vertretung, anderer Raum
- Soziale Überforderung: zu viele Menschen, unklare Erwartungen
- Erschöpfung: schlechter Schlaf, Hunger, Krankheit
- Auslöserprofil des Kindes kennen und mit TK besprechen
Brainy erinnert: Ein Meltdown ist kein Versagen des Kindes — und kein Versagen von INGRA. Es ist ein Nervensystem das seine Grenze erreicht hat. Deine Aufgabe: sicher halten und warten.