Karte EL-08 · Mobbing
Mein Kind wird gemobbt. Was kann ich tun?
Wenn dein Kind ausgegrenzt, beleidigt oder fertiggemacht wird, ist das für dich als Elternteil schwer auszuhalten. Auf diesen Karten findest du kurze, klare Schritte: was du erkennst, was du deinem Kind sagst, was du aufschreibst und wie du mit der Schule sprichst. Nimm dir die Karte, die jetzt passt. Du musst nicht alles auf einmal tun.
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Woran du Mobbing erkennst
Mobbing ist mehr als ein Streit. Es hat drei Merkmale:
- Es wiederholt sich. Nicht einmal, sondern immer wieder.
- Es gibt ein Machtgefälle. Dein Kind kann sich allein nicht schützen.
- Es ist gezielt. Es richtet sich absichtlich gegen dein Kind.
Ein einmaliger Streit oder ein Konflikt unter Gleichstarken ist kein Mobbing. Dafür brauchst du andere Schritte.
Das kannst du bei deinem Kind bemerken
- Rückzug oder plötzliches Schweigen
- Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen, besonders vor der Schule
- Das Kind will nicht mehr zur Schule gehen
- Sachen gehen verloren oder sind kaputt
- Die Noten werden schlechter
- Dein Kind ist in den Pausen allein oder wird nicht mehr eingeladen
Mobbing erkennst du an Mustern, nicht an einzelnen Momenten. Schreib auf, was du beobachtest (Karte 3).
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Das erste Gespräch mit deinem Kind
Viele Kinder erzählen nichts, weil sie sich schämen oder Angst haben, dass alles schlimmer wird. Das erste Gespräch entscheidet, ob dein Kind weiter mit dir spricht.
„Danke, dass du es mir sagst. Du bist nicht schuld. Wir finden zusammen einen Weg.“
Das hilft
- Zuhören, ohne zu unterbrechen
- Gefühle ernst nehmen: „Das klingt sehr schwer.“
- Sagen, dass du an der Seite deines Kindes bleibst
- Ehrlich sagen, dass du die Schule einbeziehen willst, und warum
Das hilft nicht
- „Das wird schon wieder.“ (Das macht klein, was für dein Kind groß ist.)
- „Dann wehr dich doch!“ (Dein Kind kann sich allein nicht schützen.)
- „Was hast du denn gemacht?“ (Das klingt wie ein Vorwurf.)
- Sofort selbst bei den anderen Eltern anrufen
Wenn dein Kind nichts erzählt: Frag nach dem Tag, nicht nach dem Problem. „Was war heute das Schönste? Was war das Schwerste?“ Mehr Ideen findest du bei den Werkzeugen für Eltern.
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Aufschreiben: dein Mobbing-Tagebuch
Eine kurze, sachliche Notiz nach jedem Vorfall hilft dir im Gespräch mit der Schule enorm. Schreib nur auf, was passiert ist. Deutungen und Vermutungen lässt du weg.
| Datum, Uhrzeit | Wo | Was ist passiert? | Wer war dabei? |
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- Schreib in kurzen Sätzen: „Am Dienstag in der großen Pause wurde mein Kind aus dem Spiel ausgeschlossen.“
- Notiere auch, wie es deinem Kind danach ging.
- Wenn dein Kind etwas erzählt, schreib es mit den Worten deines Kindes auf.
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Das Gespräch mit der Schule vorbereiten
Eltern wollen gehört werden, bevor sie informiert werden. Das ist dein gutes Recht. Je klarer du dich vorbereitest, desto eher wirst du auch ernst genommen.
Wen sprichst du zuerst an?
In der Regel die Klassenlehrkraft. Bitte um einen eigenen Gesprächstermin. Tür-und-Angel-Gespräche reichen bei Mobbing nicht aus.
Das bringst du mit
- Dein Mobbing-Tagebuch (Karte 3)
- Ein Ziel: „Ich möchte, dass mein Kind sich in der Schule wieder sicher fühlt.“
- Deine Fragen: Wer ist zuständig? Was passiert in den nächsten Tagen? Wann sprechen wir wieder?
Im Gespräch
- Bleib bei Beobachtungen: „Ich habe Folgendes bemerkt …“
- Frag nach konkreten nächsten Schritten und nach einem Zeitplan
- Bitte darum, die Absprachen kurz schriftlich festzuhalten
- Vereinbare einen Folgetermin
- Keine Schuldzuweisungen an einzelne Kinder oder Familien
- Keine Forderung nach sofortigen Strafen
Wenn die Klassenlehrkraft nicht weiterkommt, kannst du dich an die Schulleitung wenden und nach der schulpsychologischen Beratung fragen. Bitte auch die Begleitperson deines Kindes (z. B. Schulbegleitung), ihre Beobachtungen einzubringen.
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Cybermobbing: Spuren sichern
Cybermobbing läuft rund um die Uhr, auch zuhause. Inhalte können schnell verschwinden. Sichere sie, bevor das passiert. Das ist kein Misstrauen, sondern Schutz.
Das tust du
- Screenshots machen, bevor etwas gelöscht wird
- Datum, Uhrzeit und Plattform dazu notieren
- Dein Kind bestärken: nicht antworten und nicht selbst löschen
- Alles an die Schule weitergeben
Das lässt du
- Keine Gegennachrichten an die Täterinnen und Täter schreiben
- Die Eltern der anderen Kinder nicht auf eigene Faust kontaktieren
„Du hast nichts falsch gemacht. Zeig es mir, wir sichern es gemeinsam.“
Wichtig bei Drohungen, Nacktbildern von Minderjährigen oder Hetze: Das kann strafbar sein. Leite solche Bilder nicht weiter und hol dir sofort Rat bei der Polizei oder einer Beratungsstelle (siehe Karte 8).
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Was du besser lässt
- Bagatellisieren: „Das wird schon.“ Mobbing hört selten von allein auf.
- Allein kämpfen: Mobbing ist ein Gruppenprozess. Es braucht die Schule und oft weitere Unterstützung.
- Direkt konfrontieren: Gespräche mit den Familien der anderen Kinder gehören in einen geschützten Rahmen, zum Beispiel mit der Schule.
- Dein Kind zum Zurückschlagen drängen. Das kann die Lage verschlimmern.
- Dem Kind das Handy wegnehmen. Es erlebt das oft als Strafe, und es erzählt dir nichts mehr.
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Das ist kein Vorwurf an dich: Wer sein Kind schützen will, handelt manchmal zu schnell. Atme durch, sprich mit der Schule, und geh Schritt für Schritt.
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Wenn dein Kind selbst mitgemacht hat
Es kann auch sein, dass die Schule dich anruft, weil dein Kind andere ausgegrenzt oder gemobbt haben soll. Dann wollen viele Eltern erst einmal ihr Kind schützen. Das ist verständlich, und es hilft trotzdem nicht weiter.
- Hör zu, auch wenn es wehtut
- Frag dein Kind in Ruhe nach seiner Sicht, ohne zu urteilen
- Nimm ernst, was das andere Kind erlebt hat
- Arbeite mit der Schule zusammen an einer Lösung
- „Kinder sind halt so.“
- Gegenvorwürfe an das andere Kind oder an die Schule
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Für dich: Du bist nicht schuld
Viele Eltern fragen sich: „Hätte ich es früher merken müssen?“ Mobbing versteckt sich oft gut. Es liegt nicht an dir. Du darfst auch selbst Unterstützung holen.
Hier bekommst du und dein Kind Hilfe
- Elterntelefon (Nummer gegen Kummer): 0800 111 0 550, kostenlos und anonym, nummergegenkummer.de
- Kinder- und Jugendtelefon: 116 111, kostenlos, auch für dein Kind
- JUUUPORT: Online-Beratung für Jugendliche bei Cybermobbing, juuuport.de
- klicksafe: Informationen für Eltern zu Cybermobbing, klicksafe.de
- Schulpsychologische Beratung in deiner Stadt oder deinem Kreis (frag das Sekretariat der Schule)
Wenn dein Kind sagt, dass es nicht mehr leben möchte, ruf sofort den Notruf 112 an oder wende dich an einen Kinder- und Jugendnotdienst oder eine Klinik. Lass dein Kind dann nicht allein.
Quellen: Olweus, D. (1993). Bullying at School. Blackwell. · Schäfer, M. (2010). Bullying im Schulkontext. Beltz. · Rose, C. A. et al. (2011). Exceptional Children. · BMBF (2022). Mobbing an Schulen.
Diese Karten sind eine Alltagshilfe. Sie ersetzen keine Beratung, keine rechtliche Auskunft und keine Therapie. Stand: Oktober 2026.